Zweifel an Studie zur Gefahr durch E-Zigarette

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Ist die E-Zigarette gefährlicher als gedacht? Diese Vermutung legte jüngst wieder einmal eine neue Studie nahe.




„E-Zigarette – Gefahr für Lunge, Herz und Hirn“ titelte zum Beispiel das Ärzteblatt wenig subtil über dem Artikel zu einer Untersuchung von Professor Thomas Münzel der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Harvard Universität in Boston. Auch Massenmedien wie die Bild-Zeitung berichteten einhellig negativ über die E-Zigarette. Die Autoren haben haben nun Erwiderung gefunden.

Das Medical Data Institute aus Starnberg ordnete die Ergebnisse ein und kommt zu einem klaren Urteil. Die eingeschränkte Gefäßfunktion, die die Studie bei Probanden 15 Minuten nach dem E-Zigaretten-Konsum konstatierte, zeige nur die „Akuteffekte des Nikotins“, wie sie auch beim Konsum eines Nikotin-Kaugummis aufträten und seit Jahrzehnten bekannt seien. Eine aktuelle Studie zeige aber beispielhaft, dass der Wechsel von der herkömmlichen zur E-Zigarette „signifikante“ Verbesserungen der Gefäßfunktion gebracht habe. „In der Medizin wird immer nach Evidenz gefragt. Hier liegt sie vor, doch die selektive Berichterstattung in Deutschland führt dazu, dass sie nicht wahrgenommen wird“, schreibt das Institut auch mit einem Seitenhieb auf die deutschen Medien. Die Studie sei zudem von der Methode nicht tiefgehend, es fehlten eine Kontrollgruppe und Langzeitbeobachtungen.




Dem zweiten Befund der Studie, dem Auftreten von Acrolein bei einer Untersuchung mit Mäusen, widmete sich Peter Hajek, Director of the Tobacco Dependence Research Unit an der Queen Mary University of London: „Bei Mäusen und in Gewebeproben wirkte Acrolein, eine Chemikalie, die beim Frittieren von E-Liquids entstehen kann, schädlich. Dies ist jedoch für Menschen nicht relevant. Beim Erhitzen von E-Liquids entsteht diese Chemikalie, dies erzeugt jedoch auch einen abstoßenden Geschmack den Dampfer meiden. Menschliche Dampfer haben einen Acroleinspiegel, der ähnlich wie bei Nichtrauchern und viel niedriger ist als bei Rauchern“, sagte Hajek. Selbst eine Studie, die in Kritik geraten war, weil die E-Zigaretten vermutlich heißgekokelt wurden, stellte schon vor Jahren im E-Zigaretten-Dampf deutlich niedrigere Acrolein-Werte fest als im Zigarettenrauch.

Das Medical Data Institute nimmt auch die Motive hinter der kritischen Mainzer Untersuchung unter die Lupe. Wörtlich heißt es: „Wichtig ist bei wissenschaftlichen Studien auch immer die Frage, wer die Studie denn finanziert hat. So steht in der Publikation der schottischen Studie, dass sie von der British Heart Foundation gesponsort wurde. Genauso eine Förderung durch eine unabhängige Einrichtung würde man sich auch für Deutschland wünschen. Leider wird in der Mainzer Studie, neben der Mainzer Herzstiftung, die Boehringer Ingelheim Stiftung als Sponsor genannt, deren Vorstand von der Firma Boehringer Ingelheim Pharma GmbH besetzt ist. (…) Auch Boehringer Ingelheim Pharma GmbH könnte ein Interesse daran haben, dass die positiven Ergebnisse der e-Zigarette für COPD-Patienten (…) in Deutschland kein Gehör finden.“

Der starke Gegenwind dürfte sich auch dadurch erklären, dass die Studie sehr klare politische Empfehlungen gegen die E-Zigarette ausspricht: „Aggressive Schritte“ seien notwendig, um die Gesundheitsrisiken der E-Zigarette zu begrenzen, da die Nutzung von E-Zigaretten insbesondere unter Jugendlichen ansteige, heißt es in der Zusammenfassung. Letzteres ist zumindest in Deutschland nicht der Fall, hier nutzen Jugendliche E-Zigaretten nun deutlich weniger als noch vor einigen Jahren.

Langjährige Beobachter dürfte der Ablauf bekannt vorkommen: Eine negative Studie erhält große Aufmerksamkeit. Je näher man in Ruhe hinschaut, desto weniger ist dran an den Resultaten. Doch diese Erkenntnis findet anschließend so gut wie nie Widerhall in den Medien.