Wie systematisch einseitig über E-Zigaretten berichtet wird

Wer noch einen Beleg dafür gesucht hat, wie einseitig hierzulande über Dampfen und E-Zigarette berichtet wird, der hat in dieser Woche bekommen. Reichen sonst selbst unsaubere, schnell wiederlegbare Studien aus, um ein riesiges Medienecho hervorzurufen, wird in Deutschland so gut wie gar nicht über gegenteilige Entwicklungen berichtet. In einer ausführlichen Analyse haben wir am vergangenen Wochenende darüber berichtet, dass Public Health England, eine der wichtigsten staatlichen Gesundheitsorganisationen Großbritanniens, eine radikale Neueinschätzung der E-Zigarette vorgenommen hat. Die Kurzfassung: Die E-Zigarette ist etwa 95 Prozent weniger schädlich als die herkömmliche Zigarette. Es gibt keine Belege dafür, dass sie Jugendliche Nichtraucher zur Zigarette bringt. Und: Sie sollte sogar vom staatlichen Gesundheitssystem zur Tabakentwöhnung eingesetzt werden. In den USA und Großbritannien ist das Big News. Sogar in Australien wird darüber geschrieben. Denn, wohlgemerkt: Es handelt sich dabei eben nicht um eine einzelne Studie, sondern um eine systematische Auswertung der wissenschaftlichen Erkenntnislage.

Die Berichterstattung in Deutschland über das gesundheitspolitische Großereignis auf der Insel tendiert dagegen in Richtung Null. Alle Printmedien des Landes können wir natürlich nicht überprüfen, aber die elektronischen Medien ignorieren die Kehrtwende in Großbritannien weitgehend. Wir listen auf, was bei Google News zu finden ist: Ein Bericht in der „Bild“, der kurz das Ergebnis der britischen Untersuchung darstellt, aber dann sehr viel ausführlicher die notorisch negative Gegenmeinung des Deutschen Krebsforschungszentrums darstellt. Eine sehr kurze Meldung bei „Euronews“. Und schließlich eine nicht überprüfbare, da hinter einer Bezahlschranke versteckte Nachricht bei „Der Freitag“.

Im Kontrast dazu berichteten über die Formaldehyd-Behauptungen fast alle großen Medien. Um nur einige Beispiel zu nennen: Focus Online, Süddeutsche Zeitung, die Huffington Post, n-tv und viele, viele weitere. Dabei ist inzwischen klar, dass Formaldehyd in nennenswerten Mengen wohl nur in heißgedampften, sehr unangenehm schmeckenden E-Zigaretten entsteht, siehe unser Beitrag dazu hier. Eine gute Übersicht über die ursprünglichen Falschmeldungen gibt es in diesem Blogbeitrag von Rursus.

Ja, es gibt auch das eine oder andere Beispiel, wo sich feststellen lässt, dass die Medien inzwischen durchaus differenzierter Berichten. Ein Beispiel dafür ist der Berliner Tagesspiegel, der unter der Überschrift „Viel Dampf um wenig Risiko“ klar Stellung bezieht. Sogar der Formaldehyd-Mythos wird dort entzaubert. Dennoch: Die deutsche Berichterstattung ist, wie das fast vollständige ignorieren der Ereignisse in Großbritannien zeigt, immer noch extrem einseitig. Ein beklagenswerter Zustand.