WHO und Bloomberg gegen die E-Zigarette

Die Zentrale der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf. Foto: Shutterstock.com / ocphoto

„Made possible with funding from Bloomberg Philantropies“: Man staunt nicht schlecht bei der Lektüre des neuesten Reports der WHO über die „Tabakepidemie“, der jüngst auf stolzen 212 Seiten veröffentlicht wurde.




Bemerkenswert, dass die Stiftung des US-Milliardärs und ehemaligen New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg als einziger Geldgeber in Erscheinung tritt bei einem Report der Weltgesundheitsorganisation. Die sollte eigentlich in ihrer großen Verantwortung als Sonderorganisation der Vereinten Nationen maximal unabhängig sein und möglichst neutral und im Sinne einer umfassenden Aufklärung urteilen.

Für (potentielle) E-Zigaretten-Nutzer ist das Sponsoring jedenfalls eine entscheidende Information. Denn, man kann es kaum schonender ausdrücken, die Bloomberg-Stiftung betreibt einen Kreuzzug nicht nur gegen das Rauchen, sondern auch gegen die E-Zigarette. Berechtigterweise zieht sie mit harten Bandagen gegen die Verbreitung des Dampfens unter Jugendlichen, das anders als in Europa und Deutschland in den USA erheblich verbreitet ist, zufelde. Aber: Positive Aspekte, vor allem, dass vielen Rauchern der Abschied von der Tabakzigarette und damit der Umstieg auf ein sehr deutlich risikoreduziertes Produkt gelingt, werden vollständig ausgeblendet.

Der WHO-Report ist streng in diesem Geist verfasst und folgt dem klassischen Muster der E-Zigaretten-Kritiker. Ausführlichst werden die Risiken betont, es gebe „mehr und mehr“ Hinweise darauf, dass diese schädlich seien, ohne dies genauer zu begründen. Vor allem aber werden die Risiken nicht in Relation zum nachweislich um Größenordnungen schädlicheren Tabakrauch gesetzt. Zweiter Schritt: Die vorliegende Evidenz über das Dampfen als Rauchstopp-Hilfe werden so dargestellt, dass die Unsicherheit darüber in den Vordergrund gerät.




Zwar wird das Cochrane Review, das als Goldstandard in der Bewertung von Gesundheitsentscheidungen gilt, erwähnt. Obwohl die Aussagen von Cochrane in dieser Hinsicht eindeutig positiv sind, werden Zweifel an der Methodik der zugrundeliegenden Studien geweckt und ihre Anzahl und damit die Aussagekraft in Zweifel gezogen. Vor allem aber stellen die Autoren der WHO infrage, ob die umgestiegenen Dampfer überhaupt „aufgehört“ hätten. Man könne Rauchstopp auch so definieren, dass er erst mit dem Abschied vom Nikotin gelungen sei. Von der Schadensreduktion („harm reduction“) als wissenschaftlich und gesellschaftlich anerkanntem Handlungsleitfaden verabschiedet sich die WHO mit solchen Ausführungen.

Entsprechend harsch fiel auch die Kritik an dem Papier aus, insbesondere aus Großbritannien. Der Tabakkontroll-Leiter der britischen Gesundheitsorganisation PHE betonte laut britischen Medien, Dampfen sei nicht risikofrei, aber „deutlich weniger schädlich“ als Rauchen. Am besten sei der komplette Rauchstopp, aber die E-Zigarette sei eines der effektivsten Hilfsmittel, insbesondere für Raucher, die bereits ohne Erfolg versucht hätten, aufzuhören. Die E-Zigarette helfe in Großbritannien 50.000 Rauchern pro Jahr mit der konventionellen Zigarette aufzuhören.

Der emeritierte John Britton von der Universität Nottingham sagte, die WHO habe mit dem Report gezeigt, dass sie „traurigerweise“ immer noch nicht den Unterschied zwischen Tabakrauchsucht, die jährlich Millionen töte, und der Sucht nach Nikotin, bei dem dies nicht der Fall sei, verstanden habe.