Werbewirtschaft warnt vor Nanny-State

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Eine nennenswerte Rolle spielte die E-Zigarette nicht auf dem „Plenum der Werbung 2019“ in der noblen Bertelsmann-Repräsentanz Unter den Linden in Berlin.




Doch der Präsident des Werbe-Spitzenverbandes ZAW, Andreas F. Schubert, warnte am Mittwoch in seiner Rede vor einer Entwicklung, die auch die Dampfer nicht ganz kalt lassen kann. In der „Diskussion um ein faktisches Werbeverbot für Tabak“ – das wohl die E-Zigarette mit einschließen würde -, könne sich die schwarz-rote Regierungskoalition durchaus profilieren, und zwar, indem sie ordnungspolitisch richtig handele. Die Selbsbestimmung der Bürger sei nämlich einem „paternalistischen Nanny-Staat vorzuziehen“. Mit anderen Worten: Werbung soll in Maßen erlaubt bleiben.

Das wäre natürlich für die eigene Branche gut: Die Werbeindustrie muss erhebliche Einbußen befürchten, sollte Tabakwerbung noch weiter eingeschränkt werden. Auch diskutierte Einschränkungen von Lebensmittelwerbung, zum Beispiel stark zuckerhaltige Produkte für Kinder, würden die Werber treffen. Die sehr deutliche Wortwahl und auch die eine oder andere weitere Stichelei gegen Union und SPD war möglicherweise aber auch der Verärgerung des ZAW über eine Absage geschuldet. Ausgerechnet der Stargast der Veranstaltung, die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, hatte kurzfristig abgesagt – ohne akzeptablen Ersatz zu beschaffen.