Weltnichtrauchertag als Attacke auf die E-Zigarette

Symbol des Weltnichtrauchertags ist eine Blüte statt Kippen im Aschenbecher. Da könnte man meinen, die E-Zigarette qualifiziere sich an diesem Tag als Mittel, das das Nichtrauchen ermöglichen kann.




Volle Aschenbecher und geteerte Lungen gehören beim vollständigen Umstieg schließlich der Vergangenheit an und es liegt nahe zu vermuten, dass der 31. Mai jedes Jahres damit auch ein Feiertag für die Dampfer ist.

Das ist aber nicht der Fall, im Gegenteil, die E-Zigarette ist am diesjährigen Weltnichtrauchertag (WNRT) sogar besonders stark unter Beschuss geraten. Das Aktionsbündnis Nichtrauchen (ABNR) und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) veröffentlichten ein Motto, das E-Zigarette und Tabakrauch weitgehend gleichsetzt: „Du kannst das Risiko ignorieren. Deine Lunge nicht. Sag nein zum Rauchen und Dampfen!“, heißt es. In der entsprechenden Mitteilung und auf der Pressekonferenz war ein Rückfall in die Tonlage und Undifferenziertheit zu beobachten, wie sie vor einigen Jahren üblich war. Quasi nahtlos wurde übergegangen von den Gefahren des Rauchens, das allein in Deutschland geschätzt 120.000 Menschen pro Jahr das Leben kostet zu den Risiken des Dampfens, die, wie inzwischen auf wissenschaftlicher Basis deutlich geworden ist, um Größenordnungen geringer sind.

Wörtlich heißt es: „Experten warnen vor möglichen gesundheitlichen Gefahren, die mit dem Konsum von E-Zigaretten und insbesondere Tabakerhitzern verbunden sind: Bei E-Zigaretten kann das Aerosol in Abhängigkeit vom Gerätetyp, dem verwendeten Liquid und dem Konsumverhalten verschiedene schädliche Substanzen aufweisen: Dazu gehören atemwegsreizende Stoffe wie beispielsweise Propylenglykol, krebserzeugende Substanzen wie Formaldehyd sowie möglicherweise die Metalle Blei und Chrom.“ Die Partikel des Aerosols drängen tief in die Lunge ein und könnten diese schädigen. Die langfristigen Auswirkungen dieser Partikel auf die Gesundheit seien derzeit noch nicht bekannt.

Auch Martina Pötschke-Langer, die Vorsitzende des ABNR, meldete sich zu Wort. „Zwar ist wie bei E-Zigaretten die Schadstoffmenge geringer als die von Tabakzigaretten, dennoch sind insbesondere die Lungen der Konsumenten einer nicht zu vernachlässigenden Belastung durch die Inhalation von kleinsten, lungengängigen Partikeln ausgesetzt“, sagte sie. Jugendliche seien besonders gefährdet, mit der E-Zigarette in die Nikotinsucht einzusteigen und später zu Tabak zu wechseln. Und Ute Mons, Leiterin der Stabstelle Krebsprävention des DKFZ, fügte hinzu, E-Zigaretten und Tabakerhitzer enthielten zwar weniger Schadstoffe, sollten aber trotzdem Teil einer Tabakpräventionsstrategie sein. Erstaunlich: Der auch vom DKFZ in jüngerer Zeit postulierte „potenzielle Nutzen von E-Zigaretten in der Tabakentwöhnung“ fiel komplett unter den Tisch.

ABNR und DKFZ waren aber nicht die einzigen, die die E-Zigarette nicht als Hilfe für Raucher, sondern am WNRT weitgehend als zusätzliche Gefahr darstellten. E-Zigaretten seien keine gesunde Alternative. Liquids und Verdampfer von E-Zigaretten seien mutmaßlich häufig mit bakteriellen Giften und Rückständen von Pilzen kontaminiert. Auch dies könne Folgen für die Gesundheit haben, lautete die erstaunliche Argumentation von des Geschäftsführers der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen in Mecklenburg-Vorpommern, Rainer Siedelberg. Die mutmaßliche Kontamination von Liquids und Verdampfern ist bislang kein Thema, das größere Sorgen bereitet hat. Nicht mal mehr einen nennenswerten Unterschied zwischen E-Zigarette und Tabakrauch ließ der Lungenarzt eines großen Klinikums in einer Wortmeldung erkennen.

Interessensvertreter der Dampfer versuchten, diesen Darstellungen entgegenzutreten. Das Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG) forderte für Deutschland eine stärkere staatliche Unterstützung für die E-Zigarette. Verwiesen wurde in einer Mitteilung unter anderem auf den starken Rückgang der Rauchquoten in Großbritannien, wo es umfassende Unterstützung für den Umstieg auf die E-Zigarette durch das Gesundheitssystem gibt. Auch in der Schweiz, in Frankreich, Belgien und den Niederlanden werde staatlich aufgeklärt. Eine vielbeachtete und aufwände Studie hatte die deutlich höhere Erfolgsquote beim Rauchstopp mit Hilfe des Dampfens kürzlich belegt. Der BfTG-Vorsitzende Dustin Dahlmann sagte dazu: „Mit einer staatlichen Förderung der deutlich weniger schädlichen E-Zigarette nach dem Vorbild anderer europäischer Aufklärungskampagnen kann endlich der Durchbruch erzielt werden. Dazu fordern wir am Weltnichtrauchertag die Verantwortlichen in der deutschen Gesundheitspolitik auf. Denn: Dampfen ist nicht Rauchen.“

Noch deutlich schärfer äußerte sich der Verband des eZigarettenhandels (VdeH). „Das ist unverantwortliche Panikmache auf Kosten der Gesundheit von Rauchern,“ sagte Michal Dobrajc, erster Vorsitzender des VdeH zu den Äußerungen des ABNR. „Kritiker der E-Zigarette führen gerne Feinstaub, Acrolein, Karzinogene wie Formaldehyd, Nickel und Chrom an, die angeblich im Dampf von E-Zigaretten nachgewiesen worden sein sollen. Dabei verschweigen sie nicht nur die umstrittene fachliche Qualität dieser Untersuchungen, sondern auch, dass gerade mal Spuren dieser Stoffe gemessen wurden, die um ein Vielfaches unter dem liegen, was im Tabakrauch enthalten ist“, sagte er. Harte wissenschaftliche Fakten würden zugunsten eigener Moralvorstellungen und einer sehr fragwürdigen Agenda geopfert. „Man muss sich ernsthaft wundern, was die Verantwortlichen dazu treibt.“