Warnungen vor E-Zigarette: Was führt die Tabakindustrie im Schilde?

Die Tabakindustrie und die E-Zigarette – das ist ein recht widersprüchliches Verhältnis. Auf der einen Seite wagen sich viele Zigarettenhersteller in den Markt.

Kürzlich überraschte die Dampfer eine vom Tabakriesen BAT in Auftrag gegebene positive Studie, die zum Schluss kam, dass die Auswirkungen des Dampfens auf Lungenzellen sehr gering sind. Auf der anderen Seite werden für die E-Zigarette besonders strenge Regeln gefordert – was eher darauf hindeutet, dass ein unliebsamer Konkurrent kleingehalten werden soll.

Für letzteres spricht ein Bericht, der zwar schon etwas älter ist, aber gerade noch einmal in der E-Zigaretten-Szene die Runde macht. Die Nachrichtenagentur Reuters greift auf, dass die vom Tabakkonzern Altria (zu dem Philip Morris USA gehört) produzierten MarkTen-E-Zigaretten mit ellenlangen Warnhinweisen versehen sind. Insgesamt 116 Wörter zählen die gesundheitlichen Hinweise auf den E-Zigaretten des Tabakriesen. Unter anderem seien E-Zigaretten „sehr giftig“ und könnten „Schwindel, Übelkeit und Bauchschmerzen“ verursachen.

Das widersprüchliche daran ist, dass sich auf den gewöhnlichen Zigaretten des Konzerns, die nach allen wissenschaftlichen Erkenntnissen um ein vielfaches schädlicher sind, wesentlich weniger Hinweise finden. In dem gut recherchierten Bericht werden auch Vertreter der E-Zigaretten-Industrie befragt, und siehe da, ein naheliegendes Motiv wird formuliert: Es könnte durchaus im Interesse der Tabakindustrie sein, E-Zigaretten als möglichst gefährlich darzustellen. Erstens, weil es sich um ein Konkurrenzprodukt zur Gelddruckmaschine Zigarettenproduktion handelt. Und zweitens, weil eine scharfe Regulierung der E-Zigaretten-Industrie wohl den großen Playern in die Hände spielen würde. Sie können beispielsweise harte Zulassungstests, die der Medikamentenzulassung ähneln, viel leichter finanzieren und die Kosten über große Volumen ausgleichen. Gekniffen wären dann die kleinen Liquid-Hersteller, die die Dampfer-Szene von heute so vielschichtig und spannend machen.

Um eine groß angelegte Verschwörung handelt es sich beim Verhalten der Tabakindustrie wohl nicht. Dazu sind die Signale zu widersprüchlich. So wird auch JTI, der Tabakriese aus Japan, in dem Stück zitiert, und warnt genau davor, dass überharte Regulierung die Entwicklung der E-Zigarette lähmen könnte. Dennoch: Der Tabakindustrie sollte man bei jeder Äußerung über die E-Zigarette auch weiter ganz genau auf die Finger schauen.