US-Forscherin warnt vor steigender Rauchquote durch E-Zigaretten-Steuer

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Die US-Forscherin Abigail Friedman hält höhere Steuern auf E-Zigaretten – wie sie zuletzt in Deutschland beschlossen wurden – für gesundheitspolitisch problematisch, wie sie am Donnerstag auf dem 2. Arud-Symposium zum Thema E-Zigarette deutlich machte. Auf der Veranstaltung, die vom Frankfurter Suchtforschungsinstitut ISFF, der Uni Zürich und dem Universitätsspital Zürich unterstützt wurde, berichtete sie über ihre Forschung in den USA. „In den Bundestaaten, in denen die Steuern auf E-Zigaretten erhöht wurden, sind die Konsument*innen in den Online- und Schwarzmarkt abgewandert oder haben zur Tabakzigarette gegriffen.“

Sie sagte laut Mitteilung auch, geschlossene Systeme könnten in diesem Fall ein Vorteil sein, da sie besser zu kontrollieren und manipulationssicher seien. „Insgesamt ist die Politik gefordert, die Anreize, auf den Schwarzmarkt auszuweichen, so gering wie möglich zu halten und den Verkauf und Konsum von regulierten Produkten zu fördern.“ Dieser Aufforderung kommt die deutsche Politik mit der im Frühjahr beschlossenen neuen E-Liquid-Steuer in Höhe von bis zu 3,20 Euro pro 10-Milliliter-Fläschchen nicht nach, im Gegenteil. Niedrigere Einstiegssätze gelten bereits ab Mitte kommenden Jahres. Friedman ist Associate Professor am Department of Health Policy and Management der renommierten Yale School of Public Health.

Die von ihr vorgestellten Ergebnisse hatte Friedman jüngst in einem sogenannten Working Paper zusammen mit anderen Forschern ausgearbeitet. Demnach senken höhere E-Zigaretten-Steuern auf E-Zigaretten und andere Tabakalternativen („ENDS“) zwar den Konsum, sie führen aber auch zu einer statistisch signifikanten Ausweichbewegung – gerade der Jugend – Richtung herkömmlicher Tabakzigaretten. Friedman hatte zuvor auch erforscht, ob der Zugang zu E-Zigaretten das Rauchen als Einstiegsmittel fördert. Das Gegenteil ist der Fall, zeigte eine Untersuchung von ihr: US-Bundesstaaten, die den Verkauf untersagten, hatten eine höhere Rauchquote unter Jugendlichen zu verzeichnen als solche, die das nicht taten.

Tobias Rüther, Oberarzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum München, sagte laut Mitteilung auf der Veranstaltung: “E-
Zigaretten haben vermutlich nicht das gleiche Suchtpotenzial wie Tabakzigaretten.“ Alle neuen Formen der Nikotinaufnahme seien weniger schädlich als das Rauchen. „Kann man mit deren Hilfe aufhören zu rauchen? Vermutlich ja!“ Der Lungenfacharzt Thomas Hering aus Berlin rückte demnach die Kritik am Fehlen von Langzeitstudien in den Mittelpunkt. Dieses Manko sei zum Teil schlicht nicht relevant. „Potenzielle Langzeitfolgen von E-Zigaretten spielen für schwerstabhängige Raucher*innen keine Rolle, wenn sie kurz davorstehen, ihre gesamte Lungenkapazität zu verlieren. Der weitere Verlust der Lungenkapazität kann jederzeit gestoppt werden, wenn die Patient*innen auf E-Zigaretten umsteigen“, wurde er zitiert.