Sucht lässt nach durch Umstieg auf E-Zigarette

Wer sich bei Dampfern umhört, die von normalen Zigaretten losgekommen sind, bekommt oft eine ähnlich lautende Geschichte zu hören: Die gefühlte Abhängigkeit ist deutlich gesunken. Der „Flash“ ist nicht mehr so hart wie beim ersten tiefen morgendlichen Zug an der Zigarette, aber gleichzeitig schwinden auch viele Süchtel-Symptome. Was viele E-Zigaretten-Foren füllt, ist nun auch wissenschaftlich untersucht worden.

Für eine Studie, die in der Fachzeitschrift „Nicotine & Tobacco Research“ veröffentlicht wurde, befragten US-Wissenschaftler Dampfer, die erfolgreich von der normalen auf die E-Zigarette umgestiegen sind. Das Ergebnis: Das Suchtverhalten schwächt sich deutlich ab. Das US-Gesundheitsportal WebMD interviewte den leitenden Wissenschaftler Jonathan Foulds. Das Ergebnis der Befragung von 3600 Studienteilnehmern, die von normalen „Pyros“ auf E-Zigaretten umgestiegen sind, fasst er mit einer klaren Aussage zusammen: „Nutzer von E-Zigaretten fühlen sich deutlich weniger süchtig.“ So stieg zum Beispiel die Zeit bis zur ersten Nikotinaufnahme am Morgen von durchschnittlich 27 auf 45 Minuten. Während zwei von fünf Ex-Rauchern auch in der Nacht zur Zigarette griffen, gaben nur 7 Prozent der Neu-Dampfer an, immer noch aus dem Bett aufzustehen, um ihre Sucht zu befriedigen. Nur noch ein Drittel der E-Zigaretten-Nutzer gab an, starke Suchtgefühle („Cravings“) zu verspüren, während 9 von 10 davon berichteten, diese als Raucher verspürt zu haben.

Die Gründe dafür sind noch nicht gut erforscht. Doch Fould spekuliert, dass die geringere Sucht zwei Hauptursachen haben könnte. Erstens, so der Wissenschaftler, liefern E-Zigaretten nicht so viel Nikotin. „Nikotinlevel im Blut erfahren einen deutlich stärkeren Schub durch Rauchen als durch E-Zigaretten.“ Zweitens könnte der Ablauf der Nikotinaufnahme eine wichtige Rolle spielen. Da eine E-Zigarette ständig zur Verfügung steht, anders als eine angezündete Zigarette, sei der Druck, in Schüben zu konsumieren, geringer. „Wenn man Zigaretten raucht, raucht man sie in einem Rutsch. Man verlässt den Arbeitsplatz und nimmt zehn Züge, man raucht drei Viertel der Zigarette, dann schmeißt man sie weg.“ Mit E-Zigaretten nehme man zwei oder drei Züge, warte zehn Minuten und nehme noch einmal zwei oder drei Züge.

Wie alle Befragungen muss auch diese Studie mit Einschränkungen leben. Zum Beispiel könnte es sein, dass Ex-Raucher ihr ehemaliges Laster als deutlich negativer Beschreiben als es tatsächlich war, so die Autoren. Doch die Studienergebnisse decken sich mit den Berichten in zahlreichen Online-Foren. Dort wird das Thema allerdings durchaus kontrovers diskutiert, es gibt auch gegenteilige Erfahrungen, vor allem, weil die E-Zigarette fast immer konsumiert werden kann.

Interessant ist, wie über die Studie in deutschen Medien berichtet wird, die nicht etwa in den Mittelpunkt stellten, dass das Suchtverhalten bei Umsteigern deutlich sinkt, sondern, dass auch E-Zigaretten süchtig machen – was angesichts der hohen Nikotinaufnahme durchs Dampfen nun wirklich keine Überraschung ist. Das hat der Blogger Rursus schön dokumentiert.