Studie macht Panik – bringt aber dennoch neue Erkenntnisse

Welch großartige Erkenntnis: „Forscher finden Propylenglykol und Glycerin im Dampf von E-Zigaretten“ heißt es auf der offenbar bestens informierten Webseite heilpraxis.net.

Dafür hätte auch schon ein Blick aufs Liquid-Etikett ausgereicht. Der Bericht dreht sich um eine neue Studie zu den Inhaltsstoffen von E-Zigaretten-Dampf, die kürzlich im renommierten Fachmagazin Environmental Science & Technology veröffentlicht wurde.

Die Autoren des Artikels haben offenbar die Studie nicht so ganz verstanden, denn natürlich geht es um die „Entdeckung“ der Grundträgerstoffe in den Liquids. Tatsächlich ist die Untersuchung nicht ganz banal, sondern bringt einige interessante Ergebnisse mit sich. Das Team vom Berkeley Lab untersuchte die Inhaltsstoffe des Dampfes von drei Liquids in Kombination mit zwei E-Zigaretten. Alle 30 Sekunden wurde ein fünf Sekunden langer Zug genommen, was dagegen spricht, dass es zu einer massiven Überhitzung kam, die Untersuchungsergebnisse deutlich verfälschen kann.

Dabei stellten die Forscher einen deutlichen Anstieg der potentiell gesundheitsschädlichen Emissionen in den ersten fünf bis zehn Minuten fest. So stieg zum Beispiel bei einer mit 3,8 Volt betriebenen einfachen E-Zigarette der Acrolein-Gehalt von 0,46 auf 8,7 Mikrogramm pro Zug an. Bei einer Double-Coil-E-Zigarette waren die Emissionen allerdings deutlich geringer. Wichtig: Die Forscher gaben löblicherweise auch einen Vergleichswert zum Rauchen an. Der Rauch einer Zigarette enthält demnach 400 bis 650 Mikrogramm Acrolein.

Zweitens steigen die Emissionen auch von anderen krebserregenden Stoffen im Dampf wie Formaldehyd und Acetaldehyd nicht nur während eines Dampfzyklus an, sondern auch je länger der Verdampfer bereits benutzt wurde. Zwischen dem ersten und dem neunten Zyklus steigerten sich die schädlichen Emissionen in einigen Fällen um 60 Prozent. Der Grund: Rückstände sammeln sich im Verdampfer an, die bei erneutem Erhitzen Giftstoffe freigeben. Drittens, und das ist eine relativ logische Erkenntnis, stiegen die Emissionen auch mit höher eingestellter Volt-Zahl an. Viertens fanden die Forscher zwei neue, vermutlich krebserregende Stoffe in geringen Mengen im Dampf: Propylenoxid und Glycidol, die beim Verdampfen von Propylenglycol und Glycerol entstehen.

Wie sind die Ergebnisse einzuordnen? Nun, neu sind derartige Erkenntnisse nicht. Wir berichteten bereits über eine ähnliche Studie, die darauf fokussiert war, verschiedene E-Zigaretten-Modelle zu vergleichen. Generell ist gut bekannt, dass in E-Zigaretten Giftstoffe entstehen, in der Regel aber in deutlich geringeren Mengen als in Zigaretten. Vor allem aber enthält Zigarettenrauch noch eine sehr lange Liste extrem schädlicher Stoffe, die überhaupt nicht im E-Zigaretten-Dampf vorkommen, zum Beispiel Nitrosamine, Chrom und Teer. Die Aussage des Berkeley-Lab-Studienautors Hugo Destaillats, gewöhnliche Zigaretten seien „superungesund“ und E-Zigaretten „nur ungesund“, ist insofern nicht falsch, allerdings wird damit wohl noch nicht ausreichend klar, dass es sich um eine ganz andere Größenordnung an gesundheitlicher Belastung handelt.

Schließlich gibt es auch für überzeugte Dampfer und die Branche interessante Schlussfolgerungen aus der Studie. Zum einen spricht immer mehr dafür, beim Dampfen wirklich konsequent darauf zu achten, dass nichts kokelt und die Verdampfer sehr regelmäßig ausgetauscht werden, wohl am besten schon beim ersten leichten Hauch einer Geschmacksveränderung. Ja, das ist teuer, aber damit geht man auf Nummer sicher. Zweitens unterstreichen solche Studien, dass temperaturkontrolliertes Dampfen wohl der richtige Weg ist. Damit wird ein schnelles und unkontrolliertes Verkoken recht zuverlässig verhindert. Vermutlich wird es in den kommenden Jahren zum Industriestandard bei etwas teureren E-Zigaretten werden.

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