„Spiegel“: Pharma behindert E-Zigaretten

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Es ist wirklich selten, dass wir eine Kaufempfehlung aussprechen – heute schon: Es lohnt sich, den neuen „Spiegel“ zu lesen.




Darin befindet sich unter dem Titel „Ausstieg aus Tabaksucht Wie Pharmakonzerne gegen die E-Zigarette vorgehen“ eine unglaubliche, aber anscheinend wahre Geschichte, die eigentlich alle längst gefühlt haben. Es gibt gute und böse Lobbyisten. Zu den Guten gehören im Selbstverständnis natürlich die aus der Anti-Tabak-Front. Allen voran das „Aktionsbündnis Nichtrauchen“. Das tauchte häufig bei Anhörungen im Bundestag auf. Wenn es um Rauchverbote oder Werbeverbote für Tabak geht. Teils wurden auch Vereinsmitglieder wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (kurz DKFZ), die Bundesärztekammer oder die Ärztefachschaften für Lunge und Herz in Stellung gebracht.

Jetzt wird es leider sehr unschön, denn dem Spiegel-Redakteur ist es gelungen, Geldströme – es wird von sechsstelligen Summen gesprochen – aus der Pharmaindustrie in das Bündnis hinein nachzuvollziehen. Und das Interesse der Pillenbranche an der Verteufelung des Rauchens und der Tabakzigarette liegt relativ deutlich auf der Hand: Sie bieten Nikotinpflaster, -kaugummis und -sprays an – alles, um den Raucher von seinem Laster zu befreien. Leider sind die Wirksamkeit dieser Nikotinersatzprodukte eher gering, dafür teuer. Das weiß, wer es schon mal versucht hat.

Und da kommt jetzt die E-Zigarette ins Spiel: Je erfolgreicher der Rauchstopp mittels des Dampfens ist und sich bei den Ex-Rauchern rumspricht und durchsetzt, umso weniger werden die Pharmamittelchen von Pfizer, GlaxoSmithKline oder Novartis vermutlich gekauft. Also wurde das Aktionsbündnis Nichtraucher-Feindbild, das legt der Artikel zumindest sehr deutlich nahe, ausgedehnt auf die E-Zigarette. Nicht um die Raucher vom Tabak abzubringen, sondern um die Pharmas zu schützen, so könnte man meinen. Zumindest gab es, soviel macht der Artikel deutlich, in jedem Fall einen massiven Interessenkonflikt.

Und noch ein süßer kleiner, aber bitterer Beigeschmack: Die Vorsitzende des Bündnisses heißt Dr. Martina Pötschke-Langer, die schon als ehemalige Chefin des DKFZ dem Rauchen den Kampf ansagte und jetzt gegen das Dampfen zu Felde zieht. Interessant sind auch die Personalwanderungen und „Zuwendungen“ für medizinische Kongresse aus der Pharmaindustrie, wie der Spiegel-Redakteur aufdeckt.

Darauf muss man erst mal kommen – und dann vermutlich eine dampfen.