Schwäbische Dampferschlauheit

In dem oft so verschmähten südwestdeutschen Dialekt, dem Schwäbische, gibt es ein Wort, das steht für Gewitztheit, Schläue und Raffinesse mit liebenswürdiger Anmutung; das Wort „knitz“.




Und die folgende Geschichte spielt in der Schwabenmetropole, in Stuttgart. Die Stadt mit den hohen Abgaswerten, die das Dieselfahrverbot als eine der ersten Städte in Deutschland einführte. Eben dort wurde in der Komödie am Marqurdt. Mitte Januar hatte das Stück „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ Premiere, eine Hommage an das Multitalent Hildegard Knef. Sie sang, düpierte das Kinopublikum mit der ersten „fast“ Nacktszene im Nachkriegsdeutschland, wo sie als Malermodell gerade mal schlappe drei Sekunden hüllenlos zu sehen war, malte und schrieb mehrere autobiografische Bücher und Romane.
Und wie in den 50-er und 60-er Jahren üblich war sie eine starke Raucherin, was vielleicht auch zu ihrer rauchigen und warmen Stimme beitrug. Und was ist schon ein Bühnenabend um die deutsche Diva, wenn sie nicht auf der Bühne raucht? Zumindest nicht echt und realitätsabbildend. Also rauchte die Knef-Darstellerin Antje Rietz – auch im wahren Leben frönt sie den Tabakröllchen.
Allerdings sehr zum Ärger einiger Theaterbesucher vor allem in den vorderen Reihen, die sich über den Qualm beschwerten. Und was macht der findige und listige Intendant Axel Preuß? Er hört natürlich auf sein Publikum und verordnet kurzerhand der Hauptdarstellerin eine E-Zigarette auf der Bühne. Und weil er nicht nur Intendant der Komödie ist, sondern auch der anderen Stuttgarter Bühnen, wurden gleich die E-Zigaretten als Stammrequisite allen Häusern verordnet; schließlich wird im Alten Schauspielhaus gerade „Der Gott des Gemetzels“ gegeben, wo ja die Zigarre für heftige Qualmentwicklung sorgte, jetzt eben die E-Zigarre.

Das amüsante Interview mit einem knitzen Intendanten in der „Stuttgarter Zeitung“ gibt es hier: Die Knef mit E-Zigarette