Panik-Meldungen aus den USA – was steckt dahinter?

Foto: Shutterstock.com

Breitet sich eine geheimnisvolle E-Zigaretten-Erkrankung in den USA aus?




Berichte amerikanischer Medien in den vergangenen Tagen legen das jedenfalls nahe, zuletzt berichtete das „TIME-Magazin“, zuvor zum Beispiel die New York Times. Es geht vor allem um Jugendliche, die von Kurzatmigkeit, Brustschmerzen und teils erhebliche Ausfälle in der Lungenfunktion, die sogar teils künstliche Beatmung notwendig machten. Gewohnt zuverlässig ist die Sache nun auch medial nach Europa geschwappt, zum Beispiel berichtet Spiegel Online.

Eine Mitteilung der Centers for Disesase Control and Prevention macht aber deutlich, wie dürr die Faktenlage ist. Dort heißt es, in fünf US-Staaten sei ein „Cluster“ von Lungenerkrankungen in Verbindung zu E-Zigaretten aufgetaucht, Meldungen aus weiteren Staaten lägen vor. Insgesamt ist von 94 Fällen die Rede. Es gebe keine klaren Hinweise auf eine Infektionskrankheit. Zwar seien sich einige Fälle ähnlich sie und schienen in Verbindung zu E-Zigaretten zu stehen, allerdings brauche es weitere Informationen. In einigen Medien wird berichtet, es komme als gemeinsame Verbindung auch das dampfen von THC (der Wirkstoff in Marihuana) infrage.

Mit anderen Worten: Die Lage ist noch völlig unübersichtlich und keineswegs ist ein kausaler Zusammenhang gesichert. Vor Augen führen muss man sich insbesondere die enorme Zahl der Dampfer in den USA. Jeder 20. US-Amerikaner nutzt regelmäßig E-Zigaretten, also rund 11 Millionen. Das setzt die rund 100 Fälle in ein Verhältnis, das schon nicht mehr so bedrohlich erscheint: Rein statistisch wäre nicht einmal einer von 100.000 Dampfern derzeit betroffen und es ist unklar, ob nicht ähnlich viele Nicht-Dampfer oder Raucher akut an einer Lungenerkrankung leiden. Zudem hat, siehe oben, möglicherweise anderer Drogenkonsum eine Rolle gespielt. Die offziellen Stellen jedenfalls sind an dem Fall dran – und man kann sich ziemlich sicher sein, dass die eher dampfkritischen US-Behörden nicht zögern würden, eindeutige Erkenntnisse über einen Zusammenhang mit der normalem Dampfen schnell zu veröffentlichen. Abwarten ist also angesagt.