Nach der Krise boomt die (Einweg-)E-Zigarette

Ein Archivbild vom BfTG-Stand auf der Intertabac 2018

Der Spuk um die Evali-Erkrankungen in den USA, Corona, hohe neue Steuern, die nach und nach greifen: Die E-Zigaretten-Wirtschaft in Deutschland hat harte Zeiten hinter sich. Dieses Jahr geht es nach einer langen Durststrecke erstmals wieder kräftig bergauf. Pünktlich zum heutigen Start der Intertabac in Dortmund stellt das Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG) einen satten Umsatzsprung in diesem Jahr in Aussicht: Die Einnahmen sollen 2022 um 40 Prozent auf rund 575 Millionen Euro steigen, heißt es in einer Mitteilung des BfTG.




Hauptgrund für den Boom sind allerdings Einweg-E-Zigaretten, sogenannte “Disposables”. Sie haben inzwischen einen Marktanteil von 40 Prozent. Dustin Dahlmann, Vorsitzender des BfTG, sieht das positiv. “Mit diesem Produkt werden Raucher großflächig außerhalb des Fachhandels erreicht”, sagte er laut der Mitteilung. Das komme auch dem Fachhandel zugute, denn häufig folge nach einiger Zeit der Wechsel auf wiederbefüllbare Systeme.

Noch macht sich die offiziell am 1. Juli gestartete Besteuerung noch nicht dramatisch bemerkbar. Sie beträgt derzeit 1,60 Euro pro zehn Milliliter E-Liquid und steigt im Laufe der kommenden Jahre auf 3,20 Euro. Doch das dürfte vor allem daran liegen, dass bis in den Februar hinein noch Lagerbestände ohne Besteuerung abverkauft werden dürfen. “Die Verteuerung der Produkte, aber auch die Kosten für die Hersteller durch die steuerrechtlichen Anpassungen der Produktion sind spürbar”, so Dahlmann. “Wir blicken voller Sorge auf die in der Zukunft gesetzlich festgelegten weiteren Steuerschritte.” Eine Nachbesserung und eine Besteuerung nach Schadpotenzial sei unbedingt notwendig.

Die Umsatzbringer “Disposables” müssen sich auch innerhalb der E-Zigaretten-Community teils scharfe Kritik gefallen lassen. Insbesondere ein starker Anstieg der Zahl minderjähriger Dampfer könnte sich noch als (politisches) Gift für die Branche erweisen. Die sei sich bewusst, dass sie “in Sachen Umwelt- und Jugendschutz in der Verantwortung steht”, sagte Dahlmann. Anfang September habe das BfTG deshalb ein Pilotprojekt für die gezielte Rücknahme von Einweg-E-Zigaretten gestartet. Ziel sei es, allen Händlern ein pragmatisches System mit Recycling anbieten zu können.

Beim Jugendschutz werde der Handel sensibilisiert. Dahlmann forderte ein härteres Durchgreifen der Behörden. Dass ein Verkäufer trotz Verstoß nur verwarnt und ein Bußgeld von lediglich 75 angedroht worden sei, dafür habe er “kein Verständnis”.

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