Mehr Aufklärung gefordert: Mediziner und Politik zu Rauchprävention und E-Zigarette

Was kann Tabakprävention leisten? Wo unterstützt die Politik noch nicht genug – und welche Alternativen gibt es, um zum Beispiel die mit dem Rauchen häufig einhergehenden schweren Gefäßerkrankungen zurückzudrängen?




eGarage hat Ende Oktober an einem Rathausgespräch teilgenommen, in dem es auch um die E-Zigarette ging. Sie finden regelmäßig statt, um den Austausch zwischen Politik und Medizinern zu ermöglichen. Auf Einladung des Allgemeinmediziners Dr. Christian Mörchel kam im Mainzer Landtag eine hochrangige Runde zusammen: Ärzte sowohl aus Forschung als auch Praktiker und Politiker vom Landrat bis zum Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses im Bundestag. Bei der Mainzer Ausgabe des Rathausgespräches ging es vertiefend um Rauchalternativen, pro und kontra wurden abgewogen.

eGarage konnte nach dem Rathausgespräch einige der Teilnehmer interviewen – und veröffentlicht hier die Aufnahmen. Erwin Rüddel (CDU), Vorsitzender des Aussschusses für Gesundheit im Bundestag, sagte nach dem Rathausgespräch, über das Werbeverbot für E-Zigaretten werde man mit Sicherheit im Bundestag noch diskutieren müssen. Eine „entscheidunsprägende“ Erkenntnis aus der Debatte beim Rathausgespräch sei aber gewesen, dass man „deutliche Unterschiede machen muss zwischen der Zigarette und der E-Zigarette“. Letztere sei zwar keineswegs schadstofffrei, aber wenn man es chancenorientiert betrachte eine Möglichkeit für einen Zwischenschritt, um vom Rauchen wegzukommen. Die Prävention, so der CDU-Politiker aus Rheinland-Pfalz, müsse allgemein gestärkt werden, zum Beispiel auch durch den Einsatz von Gesundheits-Apps.

Professor Martin Storck, Direktor des Klinikums für Gefäß- und Thoraxchirurgie des Klinikums Karlsruhe, der beim Rathausgespräch in einem Vortrag den Stand insbesondere der Rauchprävention präsentierte, betonte im Interview mit eGarage, dass durch E-Zigarette und auch Tabakerhitzer 90 bis 95 Prozent der Schadstoffe im Vergleich zum Rauchen wegfielen. Der Wechsel „wäre schon mal ein erster Schritt in Richtung Rauchentwöhnung“. Viele Menschen schafften es schließlich nicht, von heute auf morgen einfach aufzuhören.  Im Moment gebe es aber „große Verwirrung“ über die Gefahren der E-Zigarette, nicht immer basiere alles auf Fakten. „Da wäre natürlich auch eine politische Aufklärung erforderlich, übrigens auch eine Aufklärung der Politiker selbst. Weil teiweise das jetzt zum Beispiel das drohende Werbeverbot für alle Produkte nicht besonders förderlich ist, wenn es um die Förderung der Rauchentwöhnung geht.“ Zu den Todesfällen und Erkrankungen in den USA sagte er, dass dabei vor allem der falsche Gebrauch, zum Beispiel im Zusammenhang mit THC, dem Cannabis-Wirkstoff, im Fokus stehe. Bei korrektem Gebrauch der E-Zigarette drohten diese Gefahren aus seiner Sicht nicht.

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Dr. Christian Mörchel, Veranstalter der Rathausgespräche und Allgemeinmediziner aus Mainz, sagte, er nehme als Botschaft von der Veranstaltung mit nach Hause, dass die Informationen über die Alternativen zur Zigarette nicht ausreichend vorhanden sein. „Für mich als Allgemeinmediziner besteht hier großer Nachholbedarf.“ Er appellierte an Ärztevereine und Fortbildungsveranstalter für Mediziner auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber auch an Stellen für die Laienaufklärung, zum Beispiel Volkshochschulen und die Landeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, das Thema aufzugreifen. Es müsse in „eine breite Öffentlichkeit“ getragen werden.

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Schließlich konnten wir auch mit Dr. Peter Enders sprechen, er ist Facharzt für Anästhesiologie und Notfallmedizin und Landrat in Altenkirchen. Im Interview mit eGarage plädiert er für einen realitätsnahen Ansatz bei der Tabak-Prävention. Es rauchten in Deutschland immer noch zu viele. Die E-Zigarette haben den Vorteil, dass das Gefahrenpotential deutlich geringer sei. Besser sei zwar der komplette Rauchstopp. Aber „kleine Ziele sind mir lieber, als nichts zu erreichen“, sagte er.

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