Lesetipp für Genusslümmel

Wir diskutieren leidenschaftlich über unsere täglichen Verführer und Lieblings(un)tugenden wie Zucker, Dampfen, Kaffee, Rauchen, weiche Drogen und Junkfood. Zu den ganz normalen Gesprächsthemen gehören Fitness, Ernährung und Diäten.




Dann fallen Sätze wie der von Churchill, der als er nach seinem Motto für langes Leben gefragt wurde: „no sports“ antwortete. Oder man zitiert aus dem Song der Toten Hosen: Leben ist tödlich. Gerne wird auch genommen: die Summe aller Laster ist immer 100 Prozent. Oder auch von Hedonisten als Allzweckwaffe und Totschlagargument für Gutmenschen: Genuss durch Askese.

Wird die Diskussion zur Debatte fallen Begriffe wie Gesundheitsterror, staatliche Disziplinierung, Überreglementierung, Verletzung der individuellen Freiheitsrechte, Moralapostel, mündige Bürger am Gängelband des Gesetzgebers, Paternalisierung und Liberalität.

Dabei geht es immer um die Beziehung zwischen dem Einzelnen und seiner Umwelt, den Anderen, der Gemeinschaft. Anfang und Ende der Freiheiten des sprichwörtlichen Kleinen Mannes in seinem Land, seiner Gesellschaft.

Gerade ist mir ein neu erschienenes Buch in die Hände gefallen, das einen analytischen Blick auf unser Genussverhalten wirft, die Geschichte und die Auswirkungen von „Leidenschaften“ und Lebensstilen – aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und verschiedenen Ansätzen. Vierzehn kleinere Aufsätze ganz unterschiedlicher Autoren nähern sich dem Recht auf Genuss.

Und ein für mich neuer Begriff wurde eingeführt, der „Freiheitsindex“.

Ein Plädoyer für genüssliches, freudvolles und selbstbestimmtes und verantwortungsbewusstes Dasein: „Genuss – Askese – Moral“ von Ulrike Ackermann und Hans Jörg Schmidt als Herausgeber, erschienen bei Humanities Online; auch als E-Book erhältlich.
Frohes Schmökern und dabei ein Gläschen Wein und genüssliches Dampfen.