Kaum Covid-Effekt bei Dampfen und Rauchen

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Die neuen Debra-Zahlen sind endlich da, die aktuellsten wissenschaftlichen Erhebungen zum Rauch- und Dampfverhalten der Deutschen.




Die Befragung im April und Mai war aufgrund von Covid ausgefallen. Womit wir beim Juni/Juli wären: Entgegen mancher Erwartung ist kein nennenswerter Covid-Effekt festzustellen. Die Vermutung, dass aus Sorge vor einem schwereren Verlauf der hauptsächlich die Lunge befallenden Erkrankung viele das Rauchen aufgeben, scheint sich nicht zu bewahrheiten. In den USA wird nun sogar ein gegenteiliger Effekt beobachtet: Die Menschen haben rauchen offenbar mehr, zum Beispiel weil im Home-Office das Verbot am Arbeitsplatz nicht eingehalten werden muss. In deutschen Zahlen ausgedrückt: Der Raucheranteil an der Bevölkerung lag zur Mitte des Jahres bei 27,3 Prozent. Im Februar und März waren es 26,5 Prozent. Gewisse Schwankungen sind bei den Debra-Zahlen allerdings normal.

Gleiches gilt auch für die E-Zigaretten-Ergebnisse, wobei die Schwankungen deutlich stärker ins Gewicht fallen aufgrund der kleineren Basis. 1,3 Prozent gaben nun an, zu dampfen, bei der vorigen Erhebung waren es 0,8 Prozent. Zuvor wurden 0,5 Prozent, 2,3 Prozent und 1,1 Prozent gemessen. Man sieht: Die Ausreißer sind erheblich, ein klarer Trend ist nicht zu erkennen. Bei Zufallsstichproben ist das zu erwarten, so wie zum Beispiel auch Wahlumfragen eine statistische Unsicherheit aufweisen und je kleiner zum Beispiel der Zuspruch zu einer Partei ist, desto höher fallen die Schwankungen aus.

Die Prävalenz der E-Zigarette, also die Verbreitung je nach Altersgruppe aufgesplittet, wird ebenfalls von der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten (Debra) erfasst. Diese werden aber nur einmal jährlich aktualisiert. Die 2019er-Zahlen hatten zwar in der Altersgruppe von 14 bis 17 Jahren einen Anstieg verzeichnet, von 0,8 Prozent auf 1,7 Prozent aktuelle Nutzerinnen und Nutzer. Jedoch: 2016 (2,3 Prozent) und 2017 (2,9 Prozent) waren es deutlich mehr. Der Trend bei den Jugendlichen zeigt also nach unten, die “Mode-Erscheinung” E-Zigarette ist schon länger auf dem absteigenden Ast. Bei den Älteren – und damit potenziell den Ex-Rauchern – sind die Zahlen deutlich stabiler.

Die Debra-Studie ist repräsentativ, entspricht also dem wichtigsten Kriterium der Meinungsforscher. Sie wird über persönliche, mündliche Befragungen erhoben. Dahinter steht der Forschungsschwerpunkt Suchtforschung und klinische Epidemiologie am Institut für Allgemeinmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.