Immerhin: Wirtschaftsministerin will den „mündigen Bürger“

Vorweg: Direkt um die E-Zigarette ging es auf der Veranstaltung der Werbewirtschaft und in der Rede von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) nicht. Doch um ein paar Grundprinzipien, die auch für das Dampfen in den kommenden Jahren wichtig sein werden. Zypries ließ einen Einblick ins Privatleben zu: Am 7. Januar hab sie aufgehört zu rauchen, sagte sie ihrer Rede auf dem Plenum der Werbung 2017 am Donnerstag in Berlin. Und im Grunde sprach sie sich vom Prinzip auch für Werbung aus, da sie Innovationen helfen kann, sich im Markt durchzusetzen. Sonst erfährt schließlich kaum jemand davon. Es gebe gute Argumente dafür, „dass man die Werbewirtschaft möglichst wenig einschränkt“, so die Ministerin. Dann trat sie aber doch einen Schritt zurück und sagte, dass es Grenzen geben müsse, etwa wegen des Jugend- und Gesundheitsschutzes. „Weder laissez-faire noch Moralpolizei“ müsse das Motto sein.




Ärgerlich bloß, dass ausgerechnet ihre Bundesregierung und die regierende große Koalition sich bei der E-Zigarette für die Option „Moralpolizei“ entschieden haben. Mit dem Jugendverbot gehen die meisten Dampfer d’accord. Aber dass die Werbung für E-Zigaretten so hart reguliert ist wie Reklame für herkömmliche, sehr viel schädlichere Tabak-Zigaretten, beklagt die Branche laut. Das wäre auch laut den EU-Vorgaben nicht unbedingt nötig gewesen. Immerhin: An den „mündigen Verbraucher“ glaubt Zypries dann doch, was Hoffnung gibt, dass die Kleinregulierung der E-Zigarette vielleicht nun ein Ende gefunden hat.

Kürzlich gab es ja auch einen kleinen Erfolg zu feiern: Die beiden Dampferverbände BfTG und VdeH konnten erreichen, dass der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert hat, Menthol aus der Liste der verbotenen Inhaltsstoffe von E-Zigaretten zu streichen. Das Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wollte in einer Verordnung ein totales Verbot durchsetzen, obwohl Menthol anders als bei normalen Zigaretten beim Dampfen unproblematisch ist und nicht den schlechten Geschmack maskiert.

Der Präsident des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), Andreas F. Schubert, will natürlich möglichst große Werbefreiheit erhalten. Es gebe einen „unmittelbaren Zusammenhang“ zwischen Werbung und Qualität, die Gesellschaft würde „ohne Werbung nichts erfahren über „Produktvielfalt und ein angemessenes Preisniveau“, so sein Fazit.

Nun ja, für das Dampfen ist die Werbung nur ein Konflikt-Schauplatz unter vielen. Aber auch kein ganz unwichtiger. Wer weiß, wie viele Raucher nicht zum Dampfen wechseln, weil es quasi keine Werbung dafür mehr gibt. Nebenbei: Ob sich Zypries, die Sigmar Gabriel nachfolgte, sich für den Rauchstopp auch mal mit einer Dampfe beschäftigt hat, wissen wir nicht. Schön wäre es.

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