Gefäßchirurgen diskutieren mit Gästen Harm Reduction und E-Zigarette

Prof. Dr. Martin Storck vom Klinikum Karlsruhe (2. v. l.) war bereits bei einer eGarage-Diskussion vor Ort in Berlin. (Archivbild)

In der deutschen Ärzteschaft wird die Schadensminderung durch Tabakalternativen und damit auch die E-Zigarette immer intensiver diskutiert. Auf dem 37. Jahreskongress Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin in Mannheim beschäftigten sich Mediziner und Gäste aus Wissenschaft sehr eingehend mit dem Thema – und kamen insgesamt zu einem positiven Ergebnis.




Laut einer Mitteilung, die im Anschluss an den Kongress heute verschickt wurde, leiteten Martin Storck, Direktor der Klinik für Gefäß- und Thoraxchirurgie im Klinikum Karlsruhe, und Bernd Werse vom Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Frankfurt, die Sitzung. Zusammenfassend hieß es: „Die generelle Ablehnung der E-Zigarette (…) wurde von allen Referenten dieses Symposiums kritisch hinterfragt.“

Leonie Brose vom Nationalen Suchtzentrum des Kings College London wies laut der Zusammenfassung auf die Schwierigkeiten der selbstversuchten Rauchentwöhnung hin. So zeige eine Erhebung, dass ohne Coaching von 100 Rauchern nur 67 willens seien aufzuhören, 34 einen ernsthaften Versuch unternähmen und nur einer es tatsächlich schaffe, langfristig mit dem Rauchen aufzuhören. „Diese Erfolgsraten sind so gering, dass unbedingt regulatorische und gesundheitspolitische Maßnahmen ergriffen werden müssen“, hieß es. Insbesondere wies Brose demnach auf die Tatsache hin, dass Nikotin als Suchtstoff in den Ersatzprodukten ausreichend zur Verfügung gestellt werden müsse.

Thomas Hering, Facharzt für Lungenheilkunde und unter anderem Beauftragter für Tabakrisiken-Fragen und Tabakentwöhnung im Bundesverband der Pneumologen, warf dem Protokoll zufolge die Frage auf, ob E-Zigaretten und Tabakerhitzer zur Rauchentwöhnung wirklich geeignet seien. In seinem Vortrag habe er darauf hingewiesen, dass Patienten mit schwerer und End-stage COPD sich „zu Tode rauchen“, „also wäre gerade bei Patienten mit schlechter Lungenfunktion ein rechtzeitiger Wechsel auf schadstoffärmere Ersatzprodukte, insbesondere E-Zigaretten, sinnvoll“. Damit stehe Hering im Gegensatz zu den Aussagen von Fachgesellschaften die jede Art von Inhalation, auch E-Zigaretten, grundsätzlich ablehnen, Er stimme jedoch mit den Positionen des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR), der Gesundheitsbehörde in Großbritannien sowie der wissenschaftlichen Fachgesellschaft zu Tabak- und Nikotin-Fragen (SRNT) überein.

Auch Elke Pieper, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesinstitut für Risikobewertung und Ute Mons, Professorin für kardiovaskuläre Epidemiologie des Alterns an der Universität Köln, trugen auf der Veranstaltung vor. Pieper wies auf die vom BfR festgestellten deutlich niedrigeren Schadstoffgehalte und Gesundheitsrisiken unter anderem von E-Zigaretten hin. Mons bescheinigte Deutschland eine wenig erfolgreiche Tabakkontrollstrategie, bei der Harm-Reduction-Produkte helfen könnten. Symposiums-Co-Leiter Werse rückte die langfristigen Daten einer Repräsentativ-Erhebung in Frankfurter Schulen in den Mittelpunkt, die gezeigt hätten, dass Jugendliche, die E-Zigaretten vor dem Rauchen ausprobieren, vergleichsweise selten abhängige Raucher werden. Martin Storck arbeitete die Unterschiede zwischen der Gefährlichkeit von Nikotin (Suchtstoff ohne Krebspotential) und Tabakrauch (mit Risiko Arteriosklerose und Krebserkrankung) heraus.