Forscher: Nikotin könnte gegen Covid-19 helfen

Foto: Shutterstock.com / Gorodenkoff

Erhärten sich erste Vermutungen, wäre es eine absolute Sensation und würde die E-Zigarette und andere Nikotinprodukte ins grelle Scheinwerferlicht der Coronakrise katapultieren:




Forscher gehen ernsthaft und aus gutem Grund der Frage nach, ob Nikotin die Gefahr einer Covid-19-Erkrankung deutlich reduziert und den Verlauf abschwächt. Die These, dass Nikotin gegen Corona helfen könnte, haben Mediziner des Krankenhauses Hôpitaux de Paris und des Pasteur Instituts in einem sogenannen Pre-Print aufgestellt, einem wissenschaftlichen Papier, das noch nicht durch andere Forscher überprüft wurde. Pre-Prints sind also keinesfalls gesicherte, handfeste Erkenntnisse, sondern entsprechen eher einer Arbeitshypothese. Das Papier ist hier abrufbar.

Doch diese Hypothese hat es in sich, sie wäre eine Weltsensation und die wohl beste Nachricht für die E-Zigarette, die es je gab. Die Forscher gingen der Frage nach, warum Raucher nach inzwischen zahlreichen Studien und Erfassungen in vielen Ländern seltener von Covid-19-Erkrankungen betroffen sind als der Rest der Bevölkerung. Angesichts der erheblichen Lungenschäden, die das Rauchen mit sich bringt, ist dies eine enorme Auffälligkeit. In einem Gastbeitrag hatte Dietmar Jazbinsek für eGarage bereits über die statistischen, allerdings auch widersprüchlichen, Auffälligkeiten berichtet.

Die Idee der Forscher als Erklärung für das Raucher-Phänomen: Ausgerechnet Nikotin, das E-Zigaretten-Nutzer ebenfalls häufig zu sich nehmen, könnte die Schlüsselrolle als präventiver Faktor spielen. Nikotinische Acetylcholinrezeptoren (nAChR) sind laut der These der Autoren nämlich sehr wichtig für die Verbreitung des Virus im Körper. Damit behaupten sie etwas, das bislang überwiegend anders gesehen wurde und sogenannte ACE2-Rezeptoren die Haupteinfallstore für das SARS-CoV-2-Virus sind.

Die Autoren schlagen deshalb eine Nikotintherapie vor, um Covid-19 vorzubeugen. Wir übersetzen hier wörtlich aus dem Papier aus dem Englischen: „Nikotin wird als potentiell präventives Mittel gegen Covid-19-Infektionen vorgeschlagen. Sowohl die epidemiologische und klinische Evidenz als auch die Computerberechnungen legen nahe, dass die Covid-19-Infektion eine nAChR-Erkrankung ist, der durch Nikotin sowohl vorgebeugt, die durch Nikotin aber auch kontrolliert werden kann. Nikotin würde sowohl sterisch als auch allosterisch mit SARS-CoV-2 in einen Wettstreit treten um die Bindung an die nAChR. Das rechtfertigt die Nutzung von Nikotin als protektives Mittel gegen die SARS-CoV-2-Infektion und die Defizite, die es im zentralen Nervensystem verursacht. Deshalb (…) planen wir einen therapeutischen Probelauf mit Nikotin-Pflastern oder anderen Nikotinlieferanten (einatmen/kauen) bei hospitalisierten Patienten und in der allgemeinen Bevölkerung.“




Das Dampfen erwähnen die französischen Forscher nicht. Aber schon jetzt ist völlig klar: Stimmt ihre These und ist Nikotin tatsächlich stark wirksam gegen Covid, stünde die E-Zigarette womöglich vor dem unglaublichsten und unwahrscheinlichsten Comeback, das auch mit viel Phantasie nicht vorstellbar war. Denn gerade Raucher, die ihre Lunge wegen Covid schonen wollen, könnten aufs Dampfen zugreifen, um sich weiterhin mit der Nikotinzuführung zu schützen. Die gesundheitlichen Vorteile im direkten Vergleich E- und Tabak-Zigarette sind ja schon lange gut belegt, das Risiko auch laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sehr viel geringer.

Noch einmal aber auch zum Abschluss der Hinweis: Bislang ist das lediglich eine These, auch wenn die Wissenschaftler sie gut und für Laien scheinbar schlüssig begründen können. Die Veröffentlichung ist aber nur als Pre-Print erfolgt, das heißt die genaue Prüfung steht noch aus. Und selbst wenn diese bestanden wird, braucht es noch mehr Studien und Forschungen, um die Nikotin-These zu erhärten.

Kommentare sind geschlossen.