EU-Wissenschaftler bleiben bei harter Einschätzung

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Im September vergangenen Jahres gab es schlechte Nachrichten für die E-Zigarette auf EU-Ebene. Die Europäische Kommission hatte den “Wissenschaftlichen Ausschuss für Gesundheit, Umwelt- und neu aufkommende Risiken”, abgekürzt SCHEER, um eine Einschätzung der Risiken und Chancen des Dampfens gebeten.




Und die fiel insgesamt ziemlich negativ aus, wie eGarage damals berichtete. Nun hat der Ausschuss den Bericht noch einmal überarbeitet, nachdem es Rückmeldungen und Konsultationen dazu gab.

Geändert hat sich aber nicht viel im neuen Bericht, der jüngst veröffentlicht wurde. “Moderat” sei weiterhin die Faktenlage bei der Frage, ob E-Zigaretten Schäden an den Atmungsorganenen auslösten. Ebenso, dass es Risiken für das kardiovaskuläre System gebe. Schwach bis moderat sei die Evidenz beim Krebsrisiko. Längerfristige Erkrankungen, zum Beispiel der Lungen? Schwache wissenschaftliche Erkenntnislage. Für zusätzliche Schäden durch in der EU zugelassene Aromen gebe es dagegen keine ausreichende Datengrundlage. Vergiftungen und Verletzungen? Klare Hinweise, auch wenn es selten vorkomme.

Eine Änderung – eine Herabstufung im Sinne der E-Zigarette im Vergleich zum ersten Bericht – gab es hinsichtlich des Risikos, dass die E-Zigarette junge Menschen zum Rauchen bringe (“Gateway-Effekt”). Moderat wird die Beweislage dort eingeschätzt statt “stark” wie zuvor. Aber: Bei der Frage, ob die E-Zigarette beim Rauchstopp helfen könne, sei die Beweislage weiterhin “schwach”. Schwach bis moderat sei die Evidenz hinsichtlich einer Rauchreduktion ohne Komplettstopp.

Das Grundproblem der Einschätzung bleibt erhalten: Sie gewichtet Risiken nicht, sondern sie entscheidet lediglich, ob es ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse zu einer eindimensional formulierten These gibt. Anders ausgedrückt: Mit dieser Methode würde man bei der Frage, ob Fahrradfahren lebensgefährlich ist, vermutlich bei “strong evidence” landen, mindestens. Wie gefährlich es nun ist, ob das Risiko so relevant ist, dass man das Fahren auf jeden Fall unterlassen sollte und ob es sich lohnt, vom Auto aufs Fahrrad umzusteigen, wäre damit aber noch nicht beantwortet, ja nicht einmal ein Antwortversuch unternommen.




Oder, um beim Beispiel der E-Zigarette zu bleiben: Möglicherweise gibt es zum Beispiel irgendwann klare Beweise, dass die E-Zigarette das Krebsrisiko minimal erhöht, aber nur einen Bruchteil so stark wie das Rauchen. Dann stünde in einem derart konzipierten Bericht: “Strong evidence” beim Krebsrisiko, auch wenn es sehr klein ist. Es wird also weder Relevanz noch ein sinnvoller Vergleich mit der Tabakzigarette herausgearbeitet.

Ein Teil des Problems liegt aber auch im Auftrag der EU-Kommission: “The SCHEER was asked to focus only on health impacts compared to non-smoking”, heißt es wörtlich im Bericht. Oder, auf gut Deutsch: Wenn man nicht danach fragt, wie die E-Zigarette im Vergleich zum Rauchen zu bewerten ist, bekommt man natürlich auch keine Antwort.

Der europäische Dampfer-Verband IEVA äußerte sich in einer Stellungnahme entsprechend enttäuscht. Ein Großteil der wissenschaftlichen Gemeinschaft habe den Bericht sehr kritisch bewertet, meint IEVA. SCHEER habe den Bericht trotz seiner erheblichen Mängel und der
weit verbreiteten Kritik nicht geändert. Dustin Dahlmann, der IEVA-Vorsitzender, sagte laut Mitteilung: „Das SCHEER-Komitee hat es versäumt, wissenschaftliche Daten zum Dampfen umfassend und ausgewogen vorzulegen. Das Ergebnis ist ein Bericht, der kaum mehr als eine Reihe haltloser und ungerechtfertigter Behauptungen darstellt.” Eine weitere Möglichkeit, Raucher über die Fakten aufzuklären, sei verpasst worden. Dies allein habe schwerwiegende Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit. “Wir fordern die Entscheidungsträger in
Brüssel dringend auf, die Schadensminderung in ihre Gesamtstrategie einzubeziehen”, sagte Dahlmann weiter.

 

 

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