E-Zigarette: Die Mär von der Einstiegsdroge

Dampfen ist nicht völlig ungefährlich, aber deutlich weniger schädlich für die Gesundheit als die Tabakzigarette.

Das müssen auch E-Zigaretten-Skeptiker angesichts klarer Forschungsergebnisse immer häufiger einräumen. Doch die Gegner der E-Zigarette haben scheinbar noch einen Trumpf im Ärmel: Die E-Zigarette könnte eine Art „Einstiegsdroge“ sein, die vor allem Jugendliche, aber auch andere Nichtraucher verführt, sodass sie später auf Tabakzigaretten umsteigen oder zumindest dauerhaft abhängig von E-Zigaretten und Nikotin werden. Das Deutsche Krebsforschungszentrum warnt zum Beispiel: „Es ist davon auszugehen, dass elektrische Zigaretten insbesondere Kindern und Jugendlichen den Einstieg in den Nikotinkonsum erleichtern.“ Wie gewohnt springen die Mainstream-Medien voll auf solche Behauptungen an. Die „Welt“ ist nur ein Beispiel unter vielen.

Da gibt es nur ein kleines Problem. An dieser These ist nichts dran, sie lässt sich bislang wissenschaftlich überhaupt nicht belegen. Im Gegenteil: Eine Reihe von neueren Forschungsergebnissen widerlegt die Einstiegsdrogen-These (Englisch: Gateway-Theory). Die neueste Untersuchung, in Auftrag gegeben von der keinesfalls unkritischer Lobby-Arbeit verdächtigen Cancer Research UK, spricht eine deutliche Sprache. Zwar hatten 12 Prozent der Befragten 11- bis 16-Jährigen E-Zigaretten schon einmal ausprobiert. Aber nur zwei Prozent nutzten sie mindestens monatlich und gar nur ein Prozent wöchentlich, so die britischen Krebsforscher. Hinzu kommt: Quasi alle jugendlichen Dampfer sind zuvor bereits Raucher gewesen. Auch hier überwiegt also der positive Effekt, dass die E-Zigarette es Rauchern ermöglicht, den Konsum einzuschränken oder ganz aufzugeben. Anders als die deutschen Krebsforscher hat man in Großbritannien offenbar beim Thema E-Zigarette keine Scheuklappen auf.

Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift Nicotine & Tobacco Research veröffentlicht, genügt also wissenschaftlichen Standards. Die beteiligten Forscher sind überzeugt davon, dass an der Einstiegsdrogen-These nichts dran ist. Professorin Linda Bauld von der University of Sterling lässt sich mit einer glasklaren Aussage zitieren. Es gebe eine verbreitete Wahrnehmung, dass der Anstieg der E-Zigaretten-Nutzung zu einer neuen Generation Erwachsener führen wird, die zwar nie geraucht hat, aber dennoch abhängig von Nikotin ist. „Unsere Untersuchung, genau wie andere in verschiedenen Teilen Großbritanniens, zeigt, dass das nicht der Fall ist.“ Junge Menschen würden zwar mit E-Zigaretten experimentieren, die zum Teil auch Nikotin enthielten. „Aber das Experimentieren führt derzeit nicht zu regelmäßigem Gebrauch.“ Ein Cancer-Research-UK-Experte ergänzt, dass an der „Gateway“-Theorie nichts dran sei.

Die aktuelle Studie ist nicht die erste, die den Mythos „Einstiegsdroge E-Zigarette“ mit Fakten widerlegt. Kürzlich wurde in der ebenfalls wissenschaftlich anerkannten Fachzeitschrift Tobacco Control eine Studie zu dem Thema veröffentlicht, die sich mit Erwachsenen E-Zigaretten-Nutzern beschäftigte. Zwar hatten 5,6 Prozent der Nichtraucher E-Zigaretten bereits probiert. Aber nur 1,2 Prozent nutzten sie im letzten Monat und sogar nur 0,2 Prozent dampften mehr als fünf Tage in diesem Monat. Ein klares Ergebnis: Nur ein geringer Bruchteil der Nichtraucher nutzt die E-Zigarette regelmäßig.

Michael Siegel, Professor an der Boston University, kommt zu einem vernichtenden Urteil über die E-Zigaretten-Kritiker, die die Glimmstängel-Alternative zur neuen Einstiegsdroge stilisieren wollen: „Weder unter Jugendlichen noch Erwachsenen gibt es ein Problem mit Nichtrauchern, die zu regelmäßigen Dampfern werden. Das ist nichts weiter als eine weitere Behauptung der E-Zigaretten-Gegner, die nicht zu halten ist, wenn man die Fakten betrachtet.“