Durchbruch: Briten verteilen Gratis-E-Zigaretten auf Rezept

Foto: Photocreo Michal Bednarek / Shutterstock.com

E-Zigarette auf Rezept: Großbritannien macht bei der Regulierung der E-Zigarette einen großen Schritt nach vorne.




Die Behörde für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte (MHRA) hat einen aktualisierten Leitfaden veröffentlicht, der die Verschreibung medizinisch zugelassener E-Zigarettenprodukte für Tabakraucher möglicht macht, wenn sie mit dem Rauchen aufhören wollen.

Bei erfolgter Umsetzung würde das Vereinigte Königreich das erste Land der Welt, in dem E-Zigaretten mit medizinischer Zulassung verschrieben und vom Gesundheitswesen gratis zur Verfügung gestellt werden. Ärzte, führende Mediziner und Gesundheitsaktivisten begrüßten den Schritt laut den Berichten britischer Medien, unter anderem des Londoner Guardian. „Ich bin überzeugt, dass dies ein Wendepunkt sein wird“, sagte demnach Sir Norman Lamb, der ehemalige Gesundheitsminister, der 2018 eine E-Zigaretten-Untersuchung durch das Parlament leitete. Sein Ausschuss kam damals zu dem Schluss, dass es einen „erheblichen Nutzen“ hätte, wenn E-Zigaretten medizinisch lizenziert und verschreibungsfähig wären.

Linda Bauld von der Universität Edinburgh – und bereits Gast bei einer eGarage-Insight-Veranstaltung in Berlin – bezeichnete den Schritt als „ausgezeichnete Nachricht“. „Es gibt gute Belege dafür, dass E-Zigaretten, die als Verbraucherprodukte erhältlich sind, Rauchern helfen können, mit dem Rauchen aufzuhören. Und wir wissen auch, dass bis zu einem von drei Rauchern in Großbritannien diese Geräte nicht ausprobiert hat“, sagte sie. Raucher hätten Sicherheitsbedenken und machten sich falsche Vorstellungen über die relativen Risiken von E-Zigaretten im Vergleich zum Tabakkonsum. Für einige seien auch die Kosten ein Hindernis. „Die Möglichkeit, zugelassene Geräte zu verschreiben, würde die Raucher hinsichtlich der relativen Risiken beruhigen und auch dazu beitragen, diejenigen zu erreichen, die sich E-Zigaretten am wenigsten leisten können“, schlussfolgerte Bauld.

Eine medizinisch zugelassene E-Zigarette müsste noch strengere Sicherheitsprüfungen bestehen als frei verkäufliche Produkte, teilte das Ministerium für Gesundheit und Soziales. Hersteller können sich nun an die MHRA wenden, dann werden die Geräte und Liquids einem Prüfverfahren unterzogen. Wenn eine E-Zigarette von der MHRA zugelassen wird, können Ärzte von Fall zu Fall entscheiden, ob es angebracht ist, einem Patienten eine E-Zigarette zu verschreiben, um ihn bei der Raucherentwöhnung zu unterstützen.

Dr. June Raine, die Leiterin der MHRA, sagte, die Beweise seien „eindeutig“, dass E-Zigaretten weniger gesundheitsschädlich seien als das Rauchen von Tabak und dass E-Zigaretten Menschen dabei helfen könnten, das Rauchen endgültig aufzugeben. „Die heute veröffentlichten aktualisierten Leitlinien zu den Zulassungsanforderungen sind ein wichtiger erster Schritt hin zur Verfügbarkeit von sicheren und wirksamen lizenzierten E-Zigarettenprodukten“, sagte sie laut Guardian.