Die gesundheitlichen Vor- und Nachteile von E-Zigaretten – eine Übersicht

Die E-Zigarette ist im Kommen. Genaue Branchenzahlen für Deutschland gibt es zwar nicht, doch viele Firmen melden sprunghaft ansteigende Umsätze. In Großstädten vergeht kaum eine Woche, ohne dass ein neuer Laden mit Dampfutensilien aufmacht oder zumindest ein Tabakhändler nun auch Liquids anbietet, mit denen die E-Zigaretten befüllt werden können. Immer mehr Deutsche entdecken die E-Zigarette für sich. Für viele Neulinge, aber auch die Umwelt der Dampfer stellt sich allerdings vor allem eine Frage: Wie gesundheitsschädlich ist die E-Zigarette eigentlich? Und: Lohnt es sich überhaupt, von Tabakprodukten auf E-Zigaretten umzusteigen?

Vorteile

Deutlich weniger Gifte als im Tabakrauch

Zwar wird es immer wieder neue Erkenntnisse geben. Aber nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, die sich intensiv mit E-Zigaretten und den Eigenschaften von nikotinhaltigem Dampf beschäftigt, ist eine relativ klare Antwort möglich: Die Gesundheitsrisiken sind deutlich geringer als bei gewöhnlichen Zigaretten. Tabakrauch enthält etwa 7000 Inhaltsstoffe. Davon sind mindestens 60 toxisch, also giftig. Darunter befinden sich hoch krebserregende Substanzen wie zum Beispiel Nitrosamine in beträchtlichen Mengen. Eine Übersicht über die Giftstoffe hat die Initiative Ärzte gegen Raucherschäden aus Österreich erstellt. Hinzu kommt ein erheblich höheres Risiko von Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen. Das Grundproblem beim herkömmlichen Zigarettenrauch ist: Es handelt sich um ein Verbrennungsprodukt. Verbrennungsprodukte sind fast immer toxisch und je nach Brennstoff sogar stark giftig. Bei der E-Zigarette wird das Liquid hingegen lediglich verdampft.

Da die Anfang des Jahrtausends entwickelte moderne E-Zigarette ein relativ junges Produkt ist, gibt es noch keine Langzeiterfahrungen. Das heißt aber nicht, dass sie überhaupt nicht oder kaum erforscht ist.Bislang liegen mehr als 350 Studien zu den Gesundheitsauswirkungen vor. Nitrosamine wurden zum Beispiel nur in nicht mehr genau messbaren Mengen in E-Zigaretten gefunden.  Der einzige klar schädliche Stoff in E-Zigaretten-Dampf ist das Nikotin selbst, wenn ein nikotinhaltiges Liquid gedampft wird. Der Trägerstoff Propylenglykol zum Beispiel wurde Tieren in hohen Mengen als Dampf verabreicht. Signifikante Gesundheitsauswirkungen wurden nicht festgestellt.

Große Vorteile für Umsteiger – und sogar die Gesundheit der gesamten Bevölkerung?

Wer von Tabakrauch auf die E-Zigarette umsteigt, kann also sein Gesundheitsrisiko aller Voraussicht nach sehr stark absenken. Das räumt selbst die äußerst kritische US-amerikanische Krebsgesellschaft ein. „Wissenschaftler stimmen generell darüber ein, dass E-Zigaretten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit für ihre Konsumenten weniger schädlich sind als normale Zigaretten, zumindest kurzfristig“, heißt es in einer Bewertung. Der britische Forscher Peter Hajek von der Queen Mary University of London geht sogar noch einen Schritt weiter. Er spricht von „gewaltigen Vorteilen für die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung“ durch die Einführung von E-Zigaretten und spricht sich zuletzt deutlich gegen Verbote und Einschränkungen von E-Zigaretten durch die Behörden aus.

Weniger Belastung für die Mitmenschen

Was für die Dampfer selbst gilt, gilt auch für deren Umwelt: Passivdampfen ist mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel weniger schädlich als Passivrauchen, da der Dampf nicht nur weniger Giftstoffe enthält, sondern deutlich flüchtiger ist. Selbst die Nikotinkonzentration in der Raumluft ist deutlich niedriger als bei Zigarettenrauch.

Nachteile

Nikotin bleibt ein Suchtmittel

Obwohl Nikotin ein starkes Nervengift und in hohen Mengen sogar tödlich ist und stark abhängig machen kann, hat es kaum sonstige negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Das größte Problem am Nikotin in im Tabakrauch ist, dass es von einer Droge (der Zigarette) abhängig macht, die eine Vielzahl anderer, extrem schädlicher Substanzen enthält. Im Fall der E-Zigarette ist dieses Problem deutlich kleiner (siehe oben). Allerdings: Es bleibt das Problem, dass jede Abhängigkeit von einer Droge den Übergang in andere Suchtverhalten begünstigen kann.

Attraktiv für Jugendliche

Da E-Zigarettendampf nicht stinkt, sondern lediglich nach den enthaltenen Aromastoffen riecht, ist die Hemmschwelle, den Dampf auszuprobieren vermutlich deutlich geringer als bei normalen Zigaretten. Gerade für Kinder und Jugendliche könnte die E-Zigarette eine attraktivere „Einstiegsdroge“ werden, zumal sie in vielen Ländern, auch in Deutschland, derzeit leicht zugänglich ist. Schon jetzt greifen Jugendlich und Kinder immer häufiger zu E-Zigaretten. Jeder vierte Jugendliche in Deutschland hat E-Zigaretten schon einmal probiert. Bislang gibt es aber noch keine Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass E-Zigaretten einen starken Einstiegseffekt haben, sondern das Gegenteil scheint im Augenblick sogar wahrscheinlicher, wie eine neue Studie zeigt.