Die E-Zigaretten-Epidemie – was bisher bekannt ist

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In den USA ist, zumindest in Sachen E-Zigarette, die Hölle los: Eine „mysteriöse Lungenkrankheit“ ist im Zusammenhang mit dem Dampfen beobachtet worden, die Gesundheitsorganisationen sind alarmiert.




Muss man sich Sorgen machen, dass Dampfen nun doch hochgefährlich ist? Drohen schärfere Regeln? eGarage beantwortet dazu die wichtigsten Fragen.

Was passiert gerade in den USA?
Eine ganze Serie schwerer Erkrankungen ist im Zusammenhang mit dem Gebrauch von E-Zigaretten in den USA aufgetreten. In Europa gibt es bislang keine bekannte Häufung von Fällen. Die offiziellen Stellen sind besorgt und veröffentlichen dazu regelmäßig Nachrichten. Zuletzt gab die CDC (Centers for Disease Control and Prevention) bekannt, dass 380 Erkrankungen aufgetreten seien, die Mehrzahl der US-Staaten ist betroffen. Zum Teil verlaufen sie sehr schwer, eine Beatmung ist in vielen Fällen nötig. Sechs Patienten sind demnach daran gestorben, Medienberichten zufolge nun auch noch ein siebter.
Wann wurden die ersten Fälle bekannt?
Das war im April diesen Jahres. In Illinois und Wisconsin war eine Häufung schwerer Lungenerkrankungen gerade bei jungen Menschen aufgefallen und anschließend erstmals die Verbindung zum Gebrauch von E-Zigaretten hergestellt worden.
Was verursacht die Erkrankungen?
Das ist auch nach vielen Wochen, in denen die Ursachenforschung für die CDC, aber auch die Aufsichtsbehörde FDA höchste Priorität hatte, immer noch nicht endgültig klar. Laut der jüngsten Mitteilung der CDC lässt sich der Verdacht inzwischen allerdings relativ klar eingrenzen. Wörtlich heißt es von der CDC, alle Patienten hätten E-Zigaretten genutzt und es gebe keine Hinweise, dass Infektionen die Erkrankung auslösten. „Der Verdacht fällt deshalb auf chemische Auslöser“, heißt es wörtlich. Mit anderen Worten: Die Liquids.
Aber welche? Hier ist die CDC relativ klar: „Die meisten Patienten haben berichtet, in der Vergangenheit E-Zigaretten-Produkte genutzt zu haben, die THC enthalten“, also die Wirksubstanz von Marihuana. In vielen Fällen sei THC zusammen mit Nikotin genutzt worden. Insgesamt war laut FDA Cannabis bei 87 Prozent der Patienten im Spiel. Und schließlich: „Manche haben berichtet, lediglich E-Zigaretten-Produkte mit Nikotin genutzt zu haben.“ Es sei allerdings weder ein spezielles Produkt noch eine spezielle Substanz bislang mit den Fällen in Verbindung gebracht worden. Auch die CDC rätselt hier noch offiziell.
Die FDA hat den Verdacht allerdings ein bisschen weiter eingegrenzt. So sei auffällig, dass in vielen Fällen Vitamin-E-Azetat in den Liquids von Patienten festgestellt worden sei. Die New Yorker Gesundheitsbehörde erklärte das Azetat, das offenbar häufig als eine Art Lösungsmittel bei Cannabis-Produkten zum Einsatz kommt, sogar zum Hauptverdächtigen. Ob sich diese Spur als tragfähig erweist, ist allerdings noch nicht klar. Deutlich ist aber, dass „normale“ Dampfprodukte, also handelsübliche Liquids auch mit Nikotin, bislang nicht im Fokus stehen.
Können die Krankheitsfälle auch in Europa auftreten?
Bislang gibt es darauf keine Hinweise. Ausgeschlossen ist das aber nicht. Auch hier experimentieren Nutzter zum Beispiel mit Cannabis-Ölen, auf die in den USA der Hauptverdacht fällt. Allerdings wohl seltener, denn Marihuane ist in den meisten europäischen Ländern anders als in vielen US-Staaten illegal. Zudem gelten hier für Dampfprodukte spätestens seit der Einführung der jüngsten Tabakproduktrichtlinie der EU klare Regeln für Inhaltsstoffe. Das machte die Bundesregierung jüngst sehr deutlich: Die Situation werde zwar beobachtet, aber es gebe eine „strikte Regulierung“, anders als in den USA. Vitamin-Zusätze wie das Acetat zum Beispiel hierzulande verboten.
Was sollten Dampfer beachten?
Im Grunde ist es relativ simpel: Wer normale Dampfprodukte von etablierten Herstellern nutzt, muss sich mit hoher Sicherheit keine Sorgen machen. Schließlich handelt es sich in den USA um ein akutes Krankheitsbild. Es wäre nicht zu erklären, warum nach vielen Jahren ohne drastische Auswirkungen auf einmal schwere Gesundheitsfolgen auftreten. Aufpassen sollten allerdings alle, die in irgendeiner Form mit THC und zum Beispiel Cannabis-Ölen experimentieren. Die Fälle in den USA sind in dieser Hinsicht ein Alarmzeichen.




Haben die Krankheitsfälle politische Auswirkungen und drohen nun strengere Regeln für Dampfer?
Allerdings. In den USA hat sich mit den Krankheitsfällen nun ein „perfect storm“ zusammengebraut, nachdem bereits die Verbreitung von E-Zigaretten unter Jugendlichen insbesondere durch den Markterfolg der kleinen Dampfgeräte von Juul zum Thema wurde. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump bereitet das Verbot von möglicherweise allen E-Zigaretten-Aromen außer jenen mit Tabak-Geschmack vor. Die FDA sei damit beauftrag worden, entsprechende Richtlinien zu entwickeln, hieß es jüngst. Das würde den Markt drastisch verändern und für viele E-Zigaretten deutlich unattraktiver machen. Die Analystin Bonnie Herzog von der US-Bank Wells Fargo schrieb, die Situation sei „stark politisiert“ und werde in den kommenden Wahlen eine Rolle spielen – keine guten Voraussetzungen für eine Regulierung mit Augenmaß. Ihrer Meinung nach würden E-Zigaretten-Anbieter profitieren, die eine direkte Zulassung ihrer Produkte durch die FDA bekommen, was aber teuer ist und lange dauert. Einstweilen, so die Einschätzung der Marktexperten, werde vor allem IQOS von Philip Morris zulegen können, das Heat-not-Burn-Produkt, das diese Zulassung besitzt.
Und in Deutschland? Hier berichten Händler in jedem Fall bereits schon von spürbaren Umsatzrückgängen – so intensiv waren Krankheitsrisiken, ob berechtigt oder nicht, noch nie zusammen mit der E-Zigarette in den Medien präsent. „Tod aus der E-Zigarette“ heißt zum Beispiel die Überschrift eines Artikels, der nun in der „Welt“ veröffentlicht wurde. Politisch allerdings ist es allerdings relativ ruhig. Offenbar gelingt die Differenzierung zwischen dem normalen Dampfen und den Experimenten mit THC-Dampfen, die nach dem jetzigen Stand für die Krankheiten hauptverantwortlich sind.