Dampfen und Rauchen in Europa

Der Sitz der EU-Kommission in Brüssel

Zahl der Raucher nimmt europaweit ab, steigt aber in Deutschland

29.05.2015 Deutschland ist eines von nur fünf EU-Ländern, in denen jetzt mehr Leute rauchen also noch vor drei Jahren.

EU-weit rauchen 26 Prozent der Menschen, das sind zwei Prozent weniger als 2012. In Irland sank der Anteil der Raucher sogar um acht Prozentpunkte auf 21 Prozent, in Deutschland hingegen stieg er seit 2012 um einen Prozentpunkt auf 27 Prozent. Nur Frankreich, Slowenien, Portugal und Zypern verzeichnen ebenfalls steigende Zahlen. Besonders bei jungen Leuten geht der Tabakkonsum im EU-Durchschnitt zurück: unter den 15- bis 24jährigen sank er von 29 auf 25 Prozent. Das Einstiegsalter für Raucher in Europa liegt aber unverändert bei durchschnittlich 17,6 Jahren. Das zeigt eine aktuelle Eurobarometer-Umfrage, die die Europäische Kommission heute (Freitag) veröffentlicht hat. Am kommenden Sonntag ist Weltnichtrauchertag.

Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, erklärte mit Blick auf das unveränderte Einstiegsalter der europäischen Raucher: „Die Zahlen zeigen, dass der Kampf gegen den Tabak noch nicht gewonnen ist, insbesondere bei den jungen Menschen. Es ist nicht akzeptabel, dass Europäerinnen und Europäer im Teenageralter das Rauchen immer noch attraktiv finden.“ Ein Hauptziel der EU-Tabakrichtlinie vom April 2014 sei es, junge Menschen davon abzuhalten, mit dem Rauchen überhaupt erst anzufangen.

Das heute veröffentlichte Eurobarometer zeigt, dass es weiterhin große Unterschiede beim Tabakkonsum in Europa gibt. Die wenigsten Raucher verzeichnen Schweden (11 Prozent) und Finnland (19 Prozent), den höchsten Anteil Griechenland (38 Prozent) und Bulgarien (35 Prozent). 60 Prozent aller Raucher habe bisher versucht, das Rauchen aufzugeben, und 20 Prozent aller Europäer sind Ex-Raucher.

12 Prozent der Europäer haben mittlerweile E-Zigaretten probiert, fünf Prozent mehr als im Jahr 2012. Über zwei Drittel der E-Zigaretten-Konsumenten versuchten auf diese Weise, das Rauchen aufzugeben oder einzuschränken. Allerdings gelang es nur 14 Prozent von ihnen, so tatsächlich aufzuhören, was die Eignung von E-Zigaretten als Ausstiegshilfe in Frage stellt.

An öffentlichen Plätzen oder ihrem Arbeitsplatz sind die Europäer immer weniger mit dem blauen Dunst konfrontiert. Nur 12 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr beim Essen in einer Gaststätte Tabakrauch ausgesetzt gewesen zu sein (gegenüber 14 Prozent vor zwei Jahren), in gastronomischen Einrichtungen, die lediglich Getränke ausschenken, lag diese Zahl bei 25 Prozent (2012: 28 Prozent).  Über sieben von zehn Arbeitnehmer in Europa sind an ihrem Arbeitsplatz selten oder nie Tabakrauch in Innenräumen ausgesetzt.

Die Eurobarometer-Umfrage zur Einstellung der Europäer zum Tabakkonsum wurde zwischen dem 29. November und dem 8. Dezember 2014 in allen 28 EU-Mitgliedstaaten durchgeführt. Dabei wurden fast 28.000 Personen aus unterschiedlichen sozialen und demografischen Gruppen persönlich befragt.

Rauchen ist mit 700 000 Todesopfern pro Jahr die wichtigste vermeidbare Todesursache in Europa. Die EU verfolgt eine umfassende Strategie gegen den Tabakkonsum, zu der Rechtsvorschriften über Tabakwerbung, Sponsoring und Tabakerzeugnisse gehören, sowie die Unterstützung von Mitgliedstaaten und Sensibilisierungsmaßnahmen wie die aktuelle Kampagne der EU-Kommission „Ex-Raucher sind nicht aufzuhalten“. Mehr dazu hier.

Am 3. April 2014 hat die EU die Richtlinie über Tabakerzeugnisse (2014/40/EU) mit Bestimmungen über die Herstellung, die Aufmachung und den Verkauf von Tabakerzeugnissen und verwandten Erzeugnissen angenommen, die ab Mai 2016 in den Mitgliedstaaten gelten wird. Diese Richtlinie betrifft Zigaretten, Tabak zum Selbstdrehen, Pfeifentabak, Zigarren, Zigarillos, rauchlose Tabakerzeugnisse, elektronische Zigaretten und pflanzliche Raucherzeugnisse. Fragen und Antworten dazu hier.

Mehr Informationen in der vollständigen Pressemitteilung und im Eurobarometer selbst.