Biochemiker stützen Nikotin-These zu Covid-19

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Noch liegen keine klinischen Ergebnisse vor, ob in der Praxis die Verabreichung von Nikotin tatsächlich eine Covid-Erkrankung abwehren oder zumindest abschwächen kann (eGarage berichtete).




Der therapeutische Probelauf mit Corona-Patienten, den französische Forscher gestartet haben, ist noch ohne öffentliche Resultate. Die Idee einer Schutzwirkung durch Nikotin war entstanden, weil in mehreren Ländern auffiel, dass Raucher deutlich seltener als Covid-Patienten in den Krankenhäusern auftauchen, als eigentlich statistisch zu erwarten wäre. Britische und US-amerikanische Forscher haben nun ein neues Papier veröffentlicht, das die These stützt. Ihre Ergebnisse wurden vor einigen Tagen, weitgehend unbeachtet, als sogenanntes Pre-Print zur Verfügung gestellt. Das heißt, sie sind noch nicht von anderen Wissenschaftlern auf Plausibilität überprüft worden und müssen also mit etwas Vorsicht genossen werden.

Was haben die Forscher nun Neues herausgefunden? Die Chemiker und Biologen der Oxford Brookes Universität, der Uni Bristol und der University of California San Diego haben in Computersimulationen und nach Untersuchungen mit Elektronenmikroskopen gezeigt, dass SARS-CoV-2, das Covid-19 auslösende Virus, tatsächlich stark andockt an nikotinische Acetylcholinrezeptoren. Stark vereinfacht konkurriert Nikotin an diesen Rezeptoren potenziell um einen wichtigen Verbreitungsweg des Virus im Körper. Deshalb, so die These, die ursprünglich französische Forscher und parallel unter anderem der griechische Wissenschaftler Konstantinos Farsalinos entwickelt hatten, könnte Nikotin die Vermehrung und Ausbreitung des Virus im Körper deutlich einschränken. In einer ersten Einschätzung der Studie kommt ein weiterer Wissenschaftler zum Schluss, dass auch andere Stoffe als Nikotin die Rezeptoren möglicherweise blockieren. Nicht nur Nikotin käme dann zur Behandlung infrage.




Noch einmal allerdings die Einschränkung: Die Forscher und ihre jüngsten Ergebnisse sind weiterhin mit Vorsicht zu genießen, zumal, wie bereits erwähnt, die Studie noch nicht überpürft wurde („Peer Review“). Zudem gilt als weitgehend gesicherte Erkenntnis, dass Raucher, wenn sie denn erkranken, ein höheres Sterberisiko aufweisen nach einer Covid-Infektion. Das ist angesichts der schweren Gesundheitsschäden durchs Rauchen insbesondere an den Atemwegen auch nicht weiter erstaunlich. Und schließlich gibt es auch die Vermutung, dass schlechte Datenerfassung und andere Effekte eine alternative Erklärung für die erstaunlich geringe bekannte Zahl der rauchenden Patienten in vielen Ländern sein könnten.

Die These, dass Nikotin und damit auch die E-Zigarette vor Covid möglicherweise (teilweise) schützt, bleibt weiterhin nur eine These – wenn auch mit der neuen biochemischen Studie nun ein weiteres Puzzle-Teil gefunden worden sein könnte.

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