Bundesregierung zielt auf hohe Raucherquote

Foto: Inge Eberhardt

Die Bundesregierung peilt eine erstaunlich hohe Raucherquote für das Jahr 2030 an und lässt damit jeglichen Ehrgeiz beim Zurückdrängen des Tabakkonsums vermissen.




Die E-Zigarette wird dabei zudem kritisch beäugt, nicht aber als mögliches Rauchstopp-Mittel erwähnt. Im jüngst veröffentlichten Entwurf der „Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland“ heißt es wörtlich: „Die Bundesregierung hat das Ziel, den Anteil der Raucherinnen und Raucher bei Jugendlichen bis zum Jahr 2030 auf sieben Prozent und bei allen Personen ab 15 Jahren auf 19 Prozent zu senken.“

Das ist sehr erstaunlich, weil schon heute, wie im selben Dokument auch verzeichnet ist, die Raucherquote bei Jugendlichen (12 bis 17 Jahre) schon im Jahr 2019 bei nur noch sechs Prozent, also darunter lag. Zynisch könnte man anmerken: Das Ziel ist ab jetzt offenbar eine Erhöhung der Rauchquote. Ähnlich ist die Lage auch bei den Erwachsenen. Das Ziel liegt zwar mit 19 Prozent unter dem jüngst veröffentlichten Anteil von 23,8 Prozent, allerdings ist eine Senkung um nicht einmal fünf Prozentpunkte innerhalb von zehn Jahren lange kein ehrgeiziges Ziel.

Die E-Zigarette findet indes nur als mögliche Gefährdung, nicht aber als Mittel zur Harm Reduction Erwähnung. „Da in den letzten Jahren die Bekanntheit und der Konsum von elektronischen Zigaretten (E-Zigaretten) und Tabakerhitzern stark zugenommen haben, beobachtet die Bundesregierung diese Produkte hinsichtlich ihres möglichen Gefährdungspotenzials sowie hinsichtlich ihres Suchtpotenzials und sonstiger Risiken intensiv, um daraus zu gegebener Zeit die erforderlichen Maßnahmen ableiten zu können“, heißt es in dem Entwurf zur Nachhaltigkeitsstratege.

Mit einem von der Bundesregierung beauftragten Review habe das Deutsche Krebsforschungszentrum bereits einen
umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Forschung erarbeitet. Dort heißt es allerdings unter anderem, die Regulierung könne dazu beitragen, „dass E-Zigaretten für Raucher, die mit leitliniengerechten Methoden nicht aufhören wollen oder können, als weniger
schädliche Alternative zum Weiterrauchen attraktiv bleiben“.

Die Nachhaltigkeitsstrategie 2021 wird unter Aufsicht des Bundeskanzleramts erarbeitet. Sie wird nun zur Diskussion gestellt – Stellungnahmen sind bis Ende Oktober möglich – und soll im Frühjahr 2021 von der Bundesregierung endgültig verabschiedet werden.