BfR-Symposium: Neue Studie unterstreicht Rauchstopp-Potenzial der E-Zigarette

Das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Foto: nitpicker / Shutterstock.com

Großer Aufmarsch zahlreicher Expertinnen und Experten beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin am Ende der vergangenen Woche – und es ging zur Sache.




Das Symposium zur E-Zigarette am Ende war von kontroversen Standpunkten geprägt. Überschrieben war die Veranstaltung, das 22. BfR-Forum Verbraucherschutz, mit dem Titel „Chancen und Risiken der E-Zigarette“. Doch dass eher die Risiken im Mittelpunkt standen wurde an mehreren Stellen deutlich. Unter anderem, als vom Veranstalter darauf hingewiesen wurde, den Vergleich der E-Zigarette mit dem Tabakrauch und als Rauchstopphilfe nicht ausführlich zu diskutieren, sondern sich auf den Vergleich mit dem Nichtrauchen zu konzentrieren. Da hat die E-Zigarette natürlich keine guten Aussichten. Auch wenn die Frage angesichts kaum vorhanderer Nie-Raucher, die dampfen, und sehr geringer Verbreitung bei Jugendlichen in Deutschland der Irrelevanz zumindest nahekommt.

Nun, Meinungsspektrum und Expertise waren breit gestreut, wie sich auch dem Programm entnehmen lässt. Von harten Attacken gegen die E-Zigarette einschließlich scharfer Kritik am als wissenschaftlichen Goldstandard geltenden Cochrane-Review bis hin zur klaren Befürwortung der E-Zigarette als nachgewiesener Rauchstopp-Hilfe in der ärztlichen Praxis reichten die Einschätzungen.

Ein Experte, der sich um maximale Unabhängigkeit und Wissenschaftlichkeit bemüht und gewiss keinem „Lager“ zuzurechnen ist und sich zurechnen lassen möchte, brachte allerdings echte Neuigkeiten mit. Daniel Kotz, Professor am Institut für Allgemeinmedizin der Heinrich Heine Universität Düsseldorf, stellte eine neue Studie vor, die einen Tag später offiziell im „Ärzteblatt“ veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse „bestätigten“ seiner Sicht nach Beobachtungen aus anderen Studien: E-Zigaretten sind augenscheinlich deutlich wirksam als Rauchstopp-Hilfe. Diese Schlussfolgerung legen Auswertungen einer langlaufenden Befragung, die Teil der sogenannten DEBRA-Studie ist, nahe. Insgesamt wurden 60.998 Personen für die Studie interviewt.

Sehr deutliche 2,34 Mal höher war die Wahrscheinlichkeit, den Rauchstopp zu schaffen, wenn nikotinhaltige E-Zigaretten genutzt wurden im Vergleich zu Personen, die keine Hilfsmittel in Anspruch nahmen. Immerhin noch um das 1,78-fache erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit, den Rauchstopp zu schaffen, wenn auch nikotinfreie E-Nutzer miteinbezogen wurden. E-Zigaretten schnitten den Zahlen zufolge auch besser ab als klassische Nikotinersatztherapien der Pharma-Branche, nämlich um das 1,46-fache. In letzterem Fall wird allerdings von den Autoren betont, dass die Vergleichfallzahlen sehr klein waren und damit die Aussagekraft schwach ist.

Wichtig: Ergebnisse aufgrund einer Befragung lassen nie einen ganz klaren Schluss auf einen Zusammenhang zu. Denn es könnte zum Beispiel sein, dass scheinbare Ursache und Wirkung durch einen unbekannten oder nicht messbaren Effekt miteinander verbunden sind. Dieses Problem versuchten Kotz und Kolleginnen und Kollegen von der Uni Düsseldorf und dem Londoner University College aber zu minimieren, in dem sogenannte „Störvariablen“ statistisch ausgeglichen wurden. Dazu gehörten Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildung, Zeitraum seit Beginn des letzten Rauchstoppversuchs, Rauchverlangen, Zahl und Art der Rauchstoppversuche, Planung des Rauchstoppversuchs und Jahr der Befragung.

Die Schlussfolgerungen der Untersuchung jedenfalls sind trotz der im Aufbau begründeten Grenzen der Aussagekraft deutlich: „Diese Studie liefert weitere Evidenz dafür, dass die Unterstützung eines Rauchstoppversuchs mit EZ (E-Zigarette) im Vergleich zu einem nichtassistierten Versuch mit einer gesteigerten Tabakabstinenz assoziiert ist, insbesondere bei Nutzung nikotinhaltiger EZ.“