BECA diskutiert E-Zigarette und WHO ignoriert sie

Die europäische Gesundheitspolitik hat neben der Bekämpfung der Corona-Pandemie einen weiteren Schwerpunkt im Kampf gegen den Krebs. Die parlamentarische Organisation dazu heißt Beating Cancer, kurz BECA.




Am Montag kam BECA zusammen, um die Anstrengungen gegen Krebs in der EU weiter voranzutreiben und einen Zwischenstand zu diskutieren, bevor Anfang Dezember die abschließenden Empfehlungen formuliert werden. Das Hauptaugenmerk lag und liegt dabei bei dem Hauptverursacher der Krebserkrankungen, dem Rauchen von Tabakzigaretten. Die Reduzierung von deren Konsum wurde bei dem virtuellen Treffen der Parlamentarier breiter Raum gegeben. Der deutsche EU-Abgeordneten aus Nordrhein-Westfalen, Dr. Peter Liese, machte klar, dass die E-Zigaretten bei starken Rauchern eine große Hilfe beim Rauchstopp sein könne. Gleichzeitig wies der stellvertretende Vorsitzende von BECA darauf hin, dass Aromastoffe bzw. Liquids mit Geschmacksrichtungen wie Kaugummi auch für Kinder und Jugendliche attraktiv sein könnten. Hier müsse ein möglicher Gateway-Effekt unbedingt verhindert werden – auch mittels Regulierungen oder/und Verboten. Die französische Berichterstatterin Véronique Trillet-Lenoir betonte, es wäre nicht wissenschaftlich bewiesen, dass 100 Prozent der Raucher mittels Nikotinersatzprodukten gänzlich von der Zigarette loskämen. Aber sie stellten eine Risikoreduzierung und eine Option dar. Dies gelte besonders für E-Zigaretten.




Diese Tage startet in Genf die 9. Konferenz zur Tabakkontrolle der WHO in Genf. Die Vertreter aus aller Welt widmen sich dem einen und gleichen Ziel, nämlich der Reduzierung des Rauchens und des Kampfes gegen den Tabak. Leider auch seit Jahrzehnten mit den stets gleichen Vorschlägen und Forderungen: Werbeverbot, Steuererhöhungen, Schwächung der sozialen Akzeptanz und Rauchverbote. Wie der Teufel das Weihwasser so werden Begriffe wie harm reduction und E-Zigaretten gescheut. Das beklagt der Europäische Dampferverband, der IEVA, in Brüssel und fordert, „dass die WHO gemeinsam mit anderen Vertretern aus Politik und Wissenschaft eine zielführende Strategie zur Verringerung der durch Rauchen verursachten Schäden entwickelt. Natürlich sind wir als Branche zum kritischen Dialog bereit”, so deren Präsident Dustin Dahlmann.

Und zum Schluss noch eine kleine Kuriosität: In Japan sollen die nichtverbrennbaren Tabakprodukte ab nächsten Oktober stärker besteuert werden. Daraufhin fordert British American Tobacco, kurz BAT, die Regierung in Tokio auf, auch die Steuern auf Tabakzigaretten zu erhöhen, damit der Abstand zur E-Zigarette nicht zu groß und damit die Attraktivität des Dampfens reduziert werde. Und genau auf die neue dampfende Konzernausrichtung will sich der Tabakhersteller konzentrieren, wie das Onlineportal „Sumikai“ berichtet.




Und dann folgen wir über den Pazifik den Unkenrufen von Altria, der Konzernmutter von Philip Morris und IQOS. Die könnten weltweit bald ganz ohne E-Zigarette oder Heat not burn-Produkten unterwegs sein müssen, wie das Online-Aktienportal Onvista weiß. Ein Patentrechtsstreit mit dem Mitwettbewerber BAT veranlasste die Internationale Handelskommission der USA (ITC) zum 29. November eine Verkaufsverbot zu erlassen. Eine Klärung des Rechtsstreits könnte sich über Jahre hinziehen. Das zweite „dampfende“ Standbein des Tabakmultis, die JUUL, die für sehr viel oder besser zu viel Geld eingekauft wurde, hat immer noch keine Zulassung der FDA, der Food and Drug Administration.