Australiens Dampfer-Konflikt vor Finale

Foto: Shutterstock.com / Irina Sokolovskaya

Australien war eines der erfolgreichsten Länder der Welt beim Zurückdrängen des Tabakrauches. Nur noch rund elf Prozent der Bevölkerung hängen an der Zigarette, in Deutschland ist der Anteil mehr als doppelt so hoch.




Grund sind frühe und scharfe Werbeverbote, aber auch enorm hohe Steuern. Das war einfacher durchhaltbar als anderswo: Australien lässt sich besser schützen gegen legale und illegale Importe als zum Beispiel ein Land mitten in Europa.

Im vergangenen Jahrzehnt ist die Rauchquote aber nur noch langsam gesunken. Manche vermuten auch aus folgendem Grund: Australiens Regierung begegnet der E-Zigarette abweisend bis feindlich. eGarage hatte im Sommer über einen “Dampferaufstand” berichtet, der zumindest einen zeitweiligen Aufschub erreichen konnte, nachdem Gesundheitsminister Greg Hunt hart durchgreifen wollte. Bis Anfang Januar ist noch ein Graubereich offen: Der Import von nikotinhaltigen Liquids, der bislang in der Regel toleriert wird, obgleich er schon jetzt illegal ist. E-Zigaretten-Hardware und nikotinfreie Liquids sind dagegen frei zugänglich in Australien, in einigen Bundesstaaten allerdings unter der Bedingung, dass die Hardware nicht an normale Zigaretten erinnern darf.

Wie soll es laut dem Plan der Regierung weitergehen? Ärzte sollen die “Gatekeeper” für nikotinhaltiges Liquid werden. Legale Bestellungen wären dann nur noch per Rezept möglich. Wie weit das an der Realität vorbeigeht und wie wenige Dampfer sich tatsächlich so ein Rezept besorgen würden, das dann auch immer erneuert werden muss, kann man sich denken. Die australische Dampfer-Lobby “Legalise Vaping” spricht offen darüber, dass Dampfer in den Schwarzmarkt gedrängt werden.

Beide Seiten, Kritiker wie Unterstützer der E-Zigarette bieten nun die bereits wohlbekannten Argumente auf. Kontra E-Zigarette wird angeführt, dass wenig über die Gesundheitsrisiken bekannt sei, dass Jugendliche zum Rauchen und zum dauerhaften Dampfen verleitet werden könnten. Und dass nicht ausreichend nachgewiesen sei, dass E-Zigaretten ein effektives Rauchstopp-Mittel seien. Auf der anderen Seite heißt es, die E-Zigarette sei im Vergleich zum Tabak um Größenordnungen weniger schädlich, Jugendliche blieben nicht dauerhaft beim Dampfen und es wird auf die Erfolge in Großbritannien verwiesen. Ausführlich beleuchtet ein Artikel in einer Ärzte-Fachzeitschrift die Lage. Der Beitrag lässt beide Seiten zu Wort kommen, bleibt aber skeptisch und vermutet vor allem Geschäftsinteressen der Zigarettenindustrie hinter der E-Zigarette.

Wie geht es nun weiter? Ein Senatsausschuss soll die E-Zigarette auch im internationalen Vergleich untersuchen und am 1. Dezember einen Report vorlegen. Dann wird entschieden. Insgesamt sieht es also nicht so aus, als ob die Stimmung in Australien sich positiv für die Dampfer entwickelt. Down Under bleibt wohl bei seinem Sonderweg einer sehr strikten Regulierung.