Aromen in E-Zigaretten: Das totgeschwiegene Gesundheitsproblem

Vorweg: Dampfen ist im Vergleich zur gewöhnlichen Zigarette deutlich weniger schädlich, darüber haben wir auf unserer Seite schon häufig berichtet.

Auch für die allgemeine Volksgesundheit wäre der massenhafte Umstieg von Rauchern auf die E-Zigarette ein Segen. Die drei wichtigsten Inhaltsstoffe von Liquids sind inzwischen relativ gut erforscht. Pflanzliches Glycerin und Propylenglycol, die beiden mit Abstand geläufigsten Basisstoffe der Liquids, sind wohl nicht gerade gesund, aber stellen auch keine sehr hohe Gefahr für die Nutzer dar. Nikotin, je nach Wunsch des E-Zigaretten-Nutzers gar nicht oder in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten, ist zwar ein starkes Nervengift mit Suchtpotenzial. Festzustehen scheint aber, dass die ausgesprochen hartnäckige Sucht nach Tabakzigaretten auch von anderen Inhaltsstoffen verursacht wird und Dampfen weniger stark abhängig macht als Rauchen.

Bleibt noch eine große Unbekannte: Die Aromastoffe, die Liquids beigesetzt werden. Diese sind zwar in der Regel als Lebensmittelzusätze erlaubt. Das heißt aber nicht, dass das Einatmen unschädlich ist. Hier gibt es tatsächlich noch große Unsicherheiten. Insbesondere Diacetyl (DA) and  Acetylpropionyl (AP) stehen im Verdacht, Gesundheitsschäden auslösen zu können. Mit Diacetyl wird unter anderem die „Popcorn“-Lunge in Verbindung gebracht, eine schwere Erkrankung, die einige wenige Snack-Enthusiasten betrifft. Es ist aber durchaus vorstellbar, dass die Auswirkungen bei häufigem Einatmen erheblich sind.

Vor gut einem Jahr schreckte die Dampfer-Community eine Studie in einem renommierten Fachmagazin auf, die feststellte, dass in rund drei Viertel von 153 getesteten Liquids einer der beiden Stoffe enthalten ist, teils in hohen, teils aber auch nur in sehr geringen Mengen. Michael B. Siegel, Gesundheitswissenschaftler aus den USA, setzt sich sogar für ein Verbot von DA ein. Man sollte meinen, dass sich nun einiges tut und die Branche ein großes Interesse daran hat, dieses tatsächlich noch relativ schlecht abschätzbare Gesundheitsrisiko entweder völlig abzustellen (durch den Verzicht auf DA und AP) oder zumindest die Erforschung voranzutreiben. Als Mindestreaktion sollten Liquid-Hersteller Transparenz schaffen, damit die Konsumenten entscheiden können, ob sie sich einem etwaigen zusätzlichen Risiko aussetzen. Von einer Branche, die schon fast penetrant mit gesundheitlichen Vorteilen gegenüber dem Rauchen wirbt, wäre das zu erwarten. Die so großen gesundheitlichen Vorteile werden schließlich auch (zurecht) in der Lobbyarbeit eingesetzt. Da sollte man aber keine offenen Flanken lassen.

Tatsächlich sind erste Ansätze zu beobachten. So wirbt zum Beispiel Pure Flavour damit, dass die Liquids des Anbieters frei von DA und AP sind. Die meisten Hersteller ignorieren das Problem allerdings und lassen ihre Kunden im Dunkeln. eGarage.de konnte bei einer Stichprobe unter einigen großen Liquid-Anbietern aus Deutschland bei keinem einzigen Informationen darüber finden, ob Acetyl oder ähnliche Stoffe in den Liquids enthalten sind, und falls ja, in welchen und in welcher Konzentration.

Wir werden deshalb in den kommenden Tagen einige große Anbieter anschreiben und um eine Stellungnahme bitten. Über die Ergebnisse der Recherche halten wir die Leser auf dem Laufenden.