Altria-Chef quittiert Job

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Erst kam das teure Investment beim Mitwettbewerber Juul, dann das Finanzdesaster – und schließlich der Rücktritt.




Vergangenen Freitag teilte der US-Zigarettenkonzern Altria mit, dass der bisherige Konzernchef Howard Willard seinen Ausstieg erklärt habe. Er war zwar schon seit Mitte März beurlaubt, weil er sich leider mit dem Corona-Virus infiziert hatte. Aber konzernintern war er schon länger in den Fokus der Kritik geraten, weil unter seiner Ägide ein milliardenschweres Investment zwischen den Fingern zerbröselte – und den Tabakriesen sehr viel Geld kostete. Zuletzt war der Börsenkurs innerhalb eines Jahres um mehr als 25 Prozent eingebrochen, wie der Bonner „Generalanzeiger“ meldete. Keine Erfolgsbilanz für den Chef, der zwar 28 Jahre im Unternehmen war, aber erst seit Mai 2018 dieses führte – und gleich mit einem Paukenschlag seine Amtszeit eröffnete.

Man kann es schon als kleines Beben bezeichnen, das die Branche erfasste, als Altria, die amerikanische Muttergesellschaft von Philip Morris, Ende 2018 den Einstieg bei Juul ankündigte. Mit 35 Prozent Beteiligung wollte man sich bei dem E-Zigaretten-Hersteller beteiligen. Das kostete das US-amerikanische Unternehmen für Zigaretten wie Marlboro rund 12,8 Milliarden US-Dollar. Bei Altria erhoffte man sich neben der Entwicklung und Markteinführung des Heat not burn-Produktes IQOS ein weiteres Standbein im Vaping-Segment. Sowohl auf dem amerikanischen Markt als auch weltweit. Und wenn schon, dann aber richtig. Das größte Engagement des Unternehmens in der Geschichte.

Schon schwante den Konkurrenten bei den Tabakproduzenten, die sich auch aufmachten, die elektronische Zigarette für sich zu entdecken, und den E-Zigarettenherstellern ein großer und finanzstarker Marktteilnehmer. Doch dann folgte der Einbruch, das Debakel. Wegen der Probleme von Juul in den Staaten mussten die Prognosen nach unten korrigiert werden, hohe Abschreibungen waren die Folge – um satte 4,5 Milliarden US-Dollar im Herbst letzten Jahres in den Büchern von Altria. Somit war das Engagement innerhalb von eines Jahres nur noch weniger als ein Drittel wert. Und die Pensionsansprüche der Mitarbeiter schmolzen noch schneller dahin als das oft zitierte Eis in der Sonne.
Der Neue an der Spitze ist der Ex-Finanzchef des Konzerns, Billy Gifford.