3. Karlsruher Präventionsgespräch mit Neuigkeiten zu Studien

Prof. Dr. Martin Storck vom Städtischen Klinikum Karlsruhe

Wichtige Updates zur Rauchprävention und auch zur E-Zigarette: Das 3. Karlsruher Präventionsgespräch hielt, was der Titel versprach.




Das Städtische Klinikum Karlsruhe und der Gefäßchirurg Professor Martin Storck hatten geladen, die veröffentlichte Videoaufzeichnung lohnt sich für alle Interessierten sehr. Eine kurze Übersicht:

Professor Knut Kröger, Chefarzt der Klinik für Angiologie am Helios Klinikum Krefeld, präsentierte unter anderem eine Übersicht der gefäßmedizinischen Forschung zur E-Zigarette im Vergleich zum Rauchen. Er betonte, dass Nikotin “nicht das ist, was das Gefäß kaputt macht” und dass inzwischen gut nachgewiesen sei, dass E-Zigaretten einen sehr deutlich reduzierten Gefäßschaden verursachen würden, die gefährliche sogenannte NO-Verarmung, die im Zusammenhang mit Atherosklerose steht, komme “deutlich weniger oder gar nicht mehr” vor. Auch die “lesenswerte” jüngst publizierte britische Studie zu E-Zigaretten als Exit-Option für rauchende Schwangere stellte er vor und betonte, dass auch dort gezeigt worden sei, dass niedriges Geburtsgewicht bei Raucherinnen 1,5 Mal so häufig auftrat. Eine besonders interessante Einschätzung von Kröger: Die zahlreichen Studien, die die Gefahr des sogenannten Dual-Use (E-Zigarette und Tabakzigarette) herausgearbeitet hätten, seien aus seiner Sicht unzureichend und nicht geeignet für eine Einschätzung, weil in der Regel hoher weitergeführter Tabakkonsum untersucht worden sei.

Heino Stöver, Professor für sozialwissenschaftliche Suchtforschung, stellte in seinem Vortrag heraus, dass die E-Zigarette und Tabakerhitzer in Deutschland einen zu schlechten Ruf hätten, hingegen der Zugang zu Tabakprodukten hierzulande besonders leicht und schnell möglich sei.

Dr. Elke Pieper vom Bundesinstitut für Risikobewertung betonte, dass E-Zigaretten zwar deutlich schadstoffreduziert seien, aber auch große Unterschiede bei der Giftigkeit von Aromen, die E-Zigaretten-Liquids zugesetzt sind, zu beobachten seien. “Über die Inhalationstoxikologie ist wenig bekannt”, fasste sie zusammen. Das BfR will mittels einer Studie, die derzeit bereits läuft, etwas mehr Licht ins Dunkel bringen und Pieper stellte zahlreiche Details vor. Ersten Vorversuchen zufolge wirkten zum Beispiel Zimtaldehyde und Limonin stark auf die metabolische Aktivität der Zellen, bei Vanillin und Linalool hingegen sehe man “keinen Effekt”. Es sei nun besonders wichtig “standardisierte Methoden” zur Analyse zu entwickeln. Das BfR hatte sich zuletzt für einige Aromenverbote, darunter Menthol ausgesprochen.

Der Steuerexperte Professor Berthold Wigger vom Karlsruher Institut für Technologie widmete sich noch einmal der Tabaksteuerreform und speziell der Einführung einer E-Zigaretten-Steuer zum 1. Juli, die vergangenes Jahr politisch per Gesetz auf den Weg gebracht wurde. Zusammenfassend bemängelte er, dass die Generierung von Steuereinnahmen im Mittelpunkt des TabStModG gestanden hätten. Sonst hätten schadstoffärmere Produkte wie die E-Zigarette zumindest deutlich niedriger als die Tabakzigarette besteuert werden müssen.




Und schließlich präsentierte Dr. Hinrich Böhner, Chefarzt der Klinik für Chirurgie am St. Rochus Hospital Dortmund erste Details einer neuen Studie, die ab dem 1. August voll finanziert startet. In der Untersuchung, die entscheidend vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) mit Mitteln ausgestattet wird, werden schwer gefäßerkrankte Raucher zwei Gruppen zugeteilt. Die eine erhält eine Standtherapie, die andere wird in einem über viele Monate laufenden Verfahren erst beraten, dann werden Nikotinersatzprodukte verabreicht, anschließend Rauchstopp-Medikamente (“Champix”) und schließlich E-Zigarette und Tabakerhitzer, immer begleitet von Beratung. Erwartet wird bei der großen Studie mit knapp 1600 Probanden, dass in der Kontrollgruppe weniger als 15 Prozent den Rauchstopp schaffen, bei den so Behandelten dagegen mehr als 25 Prozent. Da randomisierte Studien mit klinischer Beobachtung als “Goldstandard” in der Forschung gelten, könnten die Ergebnisse wichtige und einflussreiche Erkenntnisse über den Rauchstopp bringen.