Zweifel an iQOS – Philip-Morris Aktie leidet

An den wissenschaftlichen Belegen von Philip Morris, dass die Zigaretten-Alternativ iQOS deutlich weniger gesundheitsschädlich ist, kommen ernsthafte Zweifel auf. Das Heat-not-Burn-Produkt (HNB), in dem Tabak verkokelt, aber nicht verbrannt wird, soll mittels unsauberer Studien untersucht worden sein. Zudem soll Philip Morris International (PMI) weltweit massive Lobbyarbeit eingesetzt haben, um mit dem Produkt steuerlich bevorzugt zu werden. Dies geht aus einem großen investigativen Report der Nachrichtenagentur Reuters hervor, der am Mittwoch auf Englisch veröffentlicht wurde. Dass es sich dabei nicht um Hintergrundrauschen, sondern ein ernsthaftes Problem handeln könnte, zeigt der Aktienkurs des Konzerns, der nach der Publikation deutlich nachgab. Denn möglicherweise ist damit die Zulassung des Produkts in den USA bedroht. PMI hat Milliarden Dollar in die Entwicklung von iQOS investiert und setzt große Hoffnung auf das Produkt, das letztlich dazu führen soll, dass der Konzern keine normalen Zigaretten mehr verkauft.




Ein Teil des Dossiers beschäftigt sich mit zweifelhaften Gesundheitsaussagen des Konzerns. Reuters recherchierte dabei im Umfeld des Konzerns und sprach mit Mitarbeitern sowie den Forschern, die die iQOS-Studien des Unternehmens durchführten. So wird zum Beispiel die Aussage von Tamara Koval zitiert, die für das Unternehmen laut Reuters von 2012 bis 2014 arbeitete und mitverantwortlich war für die Koordination der Untersuchungen. Nun stellt sie die Qualität der Forschung und der Institute, mit denen PMI zusammenarbeitete, infrage. Laut Reuters sei sie von Meetings ausgeschlossen worden, nachdem sie Unregelmäßigkeiten in einer Studie bemängelte.

Eine von der Nachrichtenagentur beauftrage Expertengruppe nahm die Ergebnisse näher unter die Lupe. Ein ehemaliger Offizieller der US-Zulassungsbehörde FDA sagte: „Ich unterstelle keine böse Absicht, aber es fehlt ihnen an Anspruch.“ Andere rieten der FDA dazu, die für die Zulassung vorgelegten Studien ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Ein japanischer Forscher, der eine iQOS-Studie beaufsichtigte, wird mit der Aussage zitiert, er habe die Untersuchung, für die er verantwortlich zeichnete, gar nicht vollständig gelesen. In einem anderen Fall beaufsichtigte demnach ein Fachfremder japanischer Experte eine Studie. Ein weiteres Fragezeichen warfen demnach Urinproben auf. So seien Urinmengen abgegeben worden, die deutlich zu groß waren. PMI streitet laut des Dossiers die Vorwürfe ab und hält die Untersuchungen für wissenschaftlich stichhaltig.

In der Schweiz hatte jüngst eine Studie Zweifel an den deutlichen gesundheitlichen Vorteilen laut werden lassen. Philip Morris soll laut dem Schweizer „Tagesanzeiger“ die Studienautoren „drangsaliert“ haben.

In einem weiteren Teil des Dossiers dokumentiert Reuters, wie PMI in zahlreichen Ländern die gesundheitlichen Vorteile in den Vordergrund stellt, um gesetzliche Hürden aus dem Weg zu räumen und eine günstigere steuerliche Behandlung zu erfahren. Dieses Thema ist auch in Deutschland umstritten, denn die HNB-Produkte werden lediglich wie Pfeifentabak besteuert. Auf den Verpackungen fehlen die bei Zigaretten üblichen Schockbilder.  Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung (CSU), hatte bereits voriges Jahr angekündigt: „Wenn wir mehr über die Schädlichkeit der Produkte wissen, muss die Steuer darauf überprüft werden“