Universität Frankfurt: Politik muss sich für E-Zigarette einsetzen

Auf einem Pressegespräch in Berlin hat sich die Frankfurt University of Applied Sciences für einen Richtungswechsel in der deutschen Gesundheitspolitik ausgesprochen, um die E-Zigarette als gesundheitlich weniger schädliche Alternative für Raucher attraktiv zu machen. Professor Heino Stöver (Foto) vom Institut für Suchtforschung sowie der Soziologe Dietmar Jazbinsek plädierten am Dienstag dafür, die in den kommenden Jahren wohl bevorstehende Besteuerung von E-Zigaretten so zu gestalten, dass sie im Vergleich zu Tabakzigaretten günstiger bleiben. So müsse die Steuer von herkömmlichen Zigaretten deutlich erhöht werden, wenn eine E-Zigaretten-Steuer komme. Während das Werbeverbot für Tabakzigaretten, zum Beispiel Plakatwerbung und das Sponsoring von Veranstaltungen, verboten werden solle, müsse es für E-Zigaretten zumindest eingeschränkte Werbemöglichkeiten geben. Schließlich könnten Raucherräume, etwa in Kneipen, in Dampferräume gesetzlich umgewidmet werden. Jazbinsek sagte: „Das sind Beispiele dafür, wie eine Politik aussehen könnte, die systematisch den kategorischen Unterschied berücksichtigt“ zwischen den Gesundheitsgefahren der E-Zigarette und von Tabakprodukten.




Auf der Veranstaltung wurde deutlich, dass auch in den kommenden Jahren kein abschließender wissenschaftlicher Konsens hinsichtlich der Gesundheitsgefahren der E-Zigarette zu erwarten sei – trotz zahlreicher Langzeitstudien, die im Augenblick in Arbeit seien. Dies liege schon allein an den Innovationssprüngen in der E-Zigaretten-Technik. Beispiel: Temperaturreguliertes Dampfen hat sich in den vergangenen Jahren bei hochwertigen E-Zigaretten durchgesetzt und reduziert die Gefahr, dass durch zu hohe Temperaturen gefährliche Giftstoffe entstehen.

Klar sei dagegen schon jetzt, dass Dampfen vielen Rauchern beim Aufhören helfen könne und um Größenordnungen weniger schädlich sei, betonten Jazbinsek und Stöver. Dies ergebe sich allein schon aus den Inhaltsstoffen des Dampfes im Vergleich zum Tabakrauch. Darauf müsse die Politik reagieren und die Schadensminderung (englisch Harm Reduction) im Blick behalten. „Bei der Therapie von Rauchern haben wir nicht viele Pfeile im Köcher, einen herauszuwerfen, halte ich für problematisch“, sagte Stöver. So sei zum Beispiel nicht zu erwarten, dass Verhaltenstherapien in Kombination mit Nikotinersatzpräparaten viele Menschen erreichen könnten. Gerade einmal 4000 Deutsche würden eine derartige Therapie pro Jahr absolvieren.

Gerade in Deutschland habe die E-Zigarette hohe Potenzial, da hierzulande noch 27 Prozent der Bevölkerung Raucher sind – in Großbritannien, wo seit Jahren eine strenge Anti-Rauch-Politik verfolgt wird, liege dieser Anteil bei nur noch 17 Prozent. Trotzdem unterstütze die britische Gesundheitspolitik das Dampfen als Alternative, während die E-Zigarette in Deutschland weitgehend wie die sehr viel schädlichere Tabakzigarette behandelt werde.

Stöver stellte allerdings fest, dass diese Position langsam aufweiche. So habe das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in der Vergangenheit sehr harte Positionen gegen die E-Zigarette bezogen. In einem Beitrag im Deutschen Ärzteblatt im Januar, verfasst von Katrin Schaller und Ute Mons, die die Politik des DKFZ in diesem Bereich verantworten, hieß es nun allerdings, die E-Zigarette müsse so reguliert werden, dass sie „für Raucher als weniger schädliche Alternative zu Zigaretten und als Mittel zum Rauchstopp“ attraktiv werde. Raucher sollten ermutigt werden, „vollständig auf E-Zigaretten umzusteigen und den Zigarettenkonsum zu beenden“, heißt es in dem Beitrag. „Idealerweise“ solle aber auch die Beendigung des E-Zigarettenkonsums das langfristige Ziel sein.

Stöver hatte in einem Interview mit eGarage kürzlich die Position vieler Wissenschaftler und des DKFZ deutlich kritisiert.