Dampf-Offensive: Tabakriese BAT kommt mit Liquids auf den deutschen Markt

Der Tabakriese British American Tobacco (BAT) kommt mit einem neuen Kapselsystem und Liquids auf den deutschen E-Zigaretten-Markt. Der „Vype ePen“ ist alles andere als ein Billigprodukt. Das Starterset einschließlich Ladegerät und zwei Kapseln kostet 24,95 Euro.  Zu den technischen Einzelheiten, etwa der Ladekapazität des Akkus, gibt es keine genauen Angaben, allerdings wirbt BAT damit, dass der Akku einen ganzen Tag reiche. Das legt eine Kapazität in der Größenordnung von grob 1000 Milliampere nahe. Viele große Tabakkonzerne setzen auf Kapselsysteme, weil sich damit relativ hohe Preise erzielen lassen. Die zugehörigen Kapseln kosten pro Dreierpack 5,95 Euro und sind in sieben Geschmacksrichtungen erhältlich. Zudem bleibt der Nutzer ans System gebunden und kann nicht so leicht auf ein Konkurrenz-Liquid ausweichen, ähnlich wie bei Nespresso-Kaffee-Kapseln. Allerdings ist genau deshalb der langfristige Erfolg von Kapsel-Systemen ebenso wie der von Einweg-E-Zigaretten  fraglich (hierzu eine längere Analyse). Viele Dampfer schätzen die Flexibilität von Tank-Systemen, die mit einer fast unüberschaubaren Zahl von fertigen Liquids aus jeder Preisklasse oder gar selbstgemischten Liquids befüllt werden können.

Umso bemerkenswerter ist deshalb, dass BAT nun auch Liquids für offene Tank-Systeme verkauft. Neun verschiedene Geschmacksrichtungen werden zum eher gehobenen Preis von 5,95 Euro für zehn Milliliter angeboten und sind in neun Geschmacksrichtungen und wie die Kapseln mit 0, 6 oder 12 Milligram Nikotin pro Milliter erhältlich. Bislang war unseren Informationen zufolge nur der deutlich kleinere Tabakhersteller van Eicken mit Liquids auf dem deutschen Markt unterwegs.

Offenbar hat bei BAT ein strategischer Schwenk Richtung Dampfe stattgefunden. Im vergangenen Juli sorgte eine Studie des Konzerns für erhebliches Aufsehen, weil sie äußerst positiv für Dampf aus E-Zigaretten im Vergleich zu Tabakrauch ausfiel. Andere Tabakkonzerne wie Philip Morris dagegen geben sich deutlich negativer. Wenn sich die großen Tabakkonzerne nun zumindest teilweise der E-Zigarette verschreiben, bedeutet das auf der einen Seite, dass die Dampfer einen starken Verbündeten gefunden haben. Noch immer ist der Lobby-Einfluss und die Marktmacht der großen Tabakkonzerne und damit auch ihr politisches Gewicht erheblich. Das könnte auch den Dampfern helfen. Auf der anderen Seite ist Big Tobacco wohl nicht daran interessiert, dass die Vielfalt des E-Zigaretten-Marktes in seiner heutigen Form erhalten bleibt. Bleibt der Markt weiterhin so kleinteilig und vielfältig wie heute, gäbe es nicht allzuviel zu verdienen.