Riesen-Studie zu Pro und Contra der E-Zigarette

In den vergangenen Tagen war mal wieder viel los in der Presse: Über die E-Zigarette war zum Beispiel zu hören, sie verursache Krebs. Die Ergebnisse wurde allerdings relativ schnell angezweifelt. In der britischen Zeitung Guardian sagte Peter Hajek, einer der führenden E-Zigaretten-Forscher von der Queen Mary University in London: „Diese Studie trifft keine Aussage über die Gefahren des Dampfens. Sie zeigt nicht, dass Dampfen Krebs erzeugt.“ Es sei ein weiterer falscher Alarm, der Menschen davon abhalten könne, statt zu rauchen zu dampfen, was ohne Zweifel sehr vorteilhaft wäre. Ein Problem der Studie, die an Mäusen durchgeführt wurde: Sie wurden enorm hohen Dampf- und damit Nikotinmengen ausgesetzt.

Deutlich interessanter ist da schon eine große Metastudie der US-amerikanischen National Academies of Science. Auf satten 590 haben Forscher im Auftrag der US Food and Drug Administration (FDA) wissenschaftliche Erkenntnisse über E-Zigaretten zusammengetragen und ausgewertet. Über 800 (!) Studien wurden unter die Lupe genommen, die nach ihrer Aussagekraft und Seriosität bewertet wurden. Die Einschätzung, dass die E-Zigarette wissenschaftlich so gut wie nicht erforscht ist, sollte sich damit endgültig erledigt haben.

Aus den Studien wiederum wurde destiliert, welche Aussagen über das Dampfen mit hoher Wahrscheinlichkeit getroffen werden können und welche unsicherer sind. Verwendet wurde dabei ein Einordnungssystem mit sechs Kategorien, von „conclusive evidence“ (starke, sehr aussagekräftige Studienlage), über „substantial evidence“ (erhebliche Aussagekraft), „moderate“ (moderate Aussagekraft), „limited“ (beschränkt aussagekräftig) und „insufficient“ (nicht ausreichend) bis „no evidence“ (keine Bewertung möglich).

Also: Was sind die zentralen Aussagen, die gewonnen werden konnten? eGarage gibt einen Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse, geordnet nach der Aussagekraft, die ihnen in der Studie zugeschrieben wird. Manche davon sind aus Sicht von Dampf-Unterstützern positiv, andere eher nicht.

Überzeugende, schlüssige Faktenlage (conclusive evidence):

  • Die Nikotinzufuhr durch E-Zigaretten variiert sehr stark und ist abhängig von den genutzten Produkten
  • Neben Nikotin setzen E-Zigaretten zahlreiche weitere möglicherweise giftige Substanzen frei
  • E-Zigaretten können explodieren und Verletzungen verursachen. Dieses Risiko ist stark erhöht, wenn Batterien niedriger Qualität verwendet oder sie von Nutzern modifiziert werden.
  • E-Liquids zu trinken oder zu injizieren kann tödlich sein.
  • Herkömmliche Zigaretten vollständig durch E-Zigaretten zu ersetzen reduziert die Belastung der Nutzer durch (krebserregende) Giftstoffe, die in Tabakzigaretten enthalten sind.

Gute Faktenlage (substantial evidence):

  • Die Nikotinzufuhr beim Dampfen durch erfahrene E-Zigaretten-Nutzer ist vergleichbar mit der von Zigaretten.
  • Mit Ausnahme von Nikotin werden E-Zigaretten-Nutzer deutlich weniger mit schädlichen und potentiell giftigen Substanzen belastet als Raucher.
  • E-Zigaretten lösen Abhängigkeiten aus.
  • E-Zigaretten erhöhen kurzfristig den Puls.
  • Jugendliche und junge Erwachsene unterliegen einem erhöhten Risiko, mit dem Rauchen anzufangen, wenn sie E-Zigaretten nutzen.
  • Vollständig mit dem Rauchen aufzuhören und stattdessen E-Zigaretten zu nutzen reduziert negative Auswirkungen auf zahlreiche Organe.

Moderate Faktenlage (moderate evidence):

  • E-Zigaretten machen seltener und weniger stark abhängig als herkömmliche Tabakzigaretten.
  • Husten, Atemnot und Asthma werden bei Heranwachsenden durch E-Zigaretten negativ beeinflusst.
  • Bei Jugendlichen die rauchen erhöht die E-Zigaretten-Nutzung die Intensität der Tabakzigaretten-Nutzung.
  • E-Zigaretten mit Nikotin sind effektiver für den Rauchstopp als Dampfen ohne Nikotin.
  • Je häufiger E-Zigaretten genutzt werden, desto höher ist die Chance, mit dem Rauchen aufzuhören.

Beschränkte Faktenlage (limited evidence):

  • E-Zigaretten könnten mutagen wirken und Zell-DNA beschädigen.
  • Der Umstieg von Tabak- auf E-Zigaretten kann die Lungenfunktion von Asthmatikern verbessern.
  • Die Lungenerkrankung COPD schreitet weniger schnell fort

Wichtige Fragen, zu denen es bis jetzt eine nur sehr limitierte Studienlage gibt oder gar keine Aussagen getroffen werden können, sind zum Beispiel die Auswirkung des Dampfens auf ungeborene Kinder. Auch die Frage, ob und wie effektiv E-Zigaretten im Vergleich zu anderen Methoden beim Rauchstopp helfen, ist laut des Reports nicht klar beantwortet.

Bei einigen oben genannten Punkten dürften viele Dampfer nicht besonders überzeugt sein. In der Community ist zum Beispiel aufgrund eigener und Erfahrungen im Umfeld augenscheinlich selbstverständlich, dass die E-Zigarette beim Rauchstopp hilft. Die Metastude widerspricht diesem Punkt aber zum Beispiel gar nicht. Sie besagt lediglich, dass das noch nicht eindeutig durch Studien nachweisbar ist. Es gibt aber auch tatsächlich fragwürdige Punkte wie die angeblich gut belegte Tatsache, dass Jugendliche häufiger Rauchen, wenn sie mit dem Dampfen anfangen. Hier ist die Kausalität entscheidend: Es könnte ja auch sein, dass die Dampfer insgesamt zu risikoreicherem Verhalten neigen und eher zugänglich für stoffliche Abhängigkeiten sind. Dann wäre das Problem aber nicht die E-Zigarette, sondern sie würden ohnehin häufiger mit dem Rauchen anfangen. Einige Teile der Studie werden wir in den kommenden Wochen noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.

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