New Yorks dampfende Jugend: Eine einseitige Auslegung der Fakten

Das New York Department of Health hat diese Woche beeindruckende Zahlen vorgelegt: Die Zahl der High-School-Schüler, die rauchen, ist in den vergangenen Jahren drastisch gefallen. Eine Bodenbildung auf niedrigem Niveau scheint nicht stattzufinden, das quasi völlige Verschwinden der herkömmlichen Zigarette in dieser Altersgruppe steht bevor. Hatten im Jahr 2000 noch über 27 Prozent der Jugendlichen in den vergangenen 30 Tagen mindestens einmal geraucht, sank diese Zahl bis 2016 auf lediglich 4,3 Prozent. Nicht einmal jeder zwanzigste New Yorker Jugendliche greift demnach hin und wieder zur Zigarette.




Gleichzeitig ist die Zahl der (un-)regelmäßigen Dampfer in dieser Altersgruppe stark gestiegen, und zwar von gut zehn Prozent im ersten Erfassungsjahr 2014 auf zuletzt 20,6 Prozent, die die E-Zigarette nutzten. Zigaretten und E-Zigaretten-Nutzer werden für die Statistik als Nutzer von „Tabak-Produkten“ zusammenaddiert, die durch diesen Kniff wieder steigen. Das ist natürlich absurd: E-Zigaretten sind kein Tabakprodukt, sondern teilen sich lediglich mit der Zigarette den Wirkstoff Nikotin zumal auch nikotinfreies Dampfen von der Behörde erfasst wird.

„Leider wird der Fortschritt, den wir bei traditionellen Zigaretten machen, durch E-Zigaretten untergraben“, klagt Julie Hart vom American Cancer Society Cancer Action Network ob dieser Entwicklung. Und Andrew Cuomo nutzt das Ergebnis, um sein Rauchstopp-Programm zu loben und direkt nach einer Sondersteuer für E-Zigaretten zu rufen.

Absurd, dass niemand dabei eine ganz einfache Frage zu stellen scheint: Könnte es sein, dass ausgerechnet die E-Zigarette verantwortlich ist für den drastischen Rückgang beim Rauchen von Jugendlichen? Die Statistik scheint das herzugeben: Während von 2002 bis 2012 die Zahl der Raucher relativ kontinuierlich abnahm, schrumpfte sie nicht nur relativ, sondern auch in absoluten Anteilen von 2012 bis 2016 deutlich schneller. Zudem bleibt wie gesagt unklar, ob überhaupt häufig Nikotin gedampft wird und ob die jugendlichen Dampfer so regelmäßig zur E-Zigarette greifen wie viele Raucher das taten.

Der American Cancer Society darf man ohnehin, wie der Dokumentarfilm „A Billion Lives“ eindrucksvoll zeigt, äußerst zweifelhafte Motive unterstellen: Sie lässt sich von den Herstellern von medizinischen Nikotin-Therapien schamlos sponsern.

Die Situation in den USA wird für die Dampfer immer dramatischer. Sie scheinen den Kampf um die Deutungshoheit mit der Gegen-Lobby aus Gesundheitswirtschaft und Abstinenz-Aposteln zu verlieren.