Neue US-Studie: Dampfen macht Neueinsteiger weniger süchtig als Zigarette

Sie schmeckt mit dem richtigen Liquid schön süß und verspricht Genuss ohne große Reue: Die E-Zigarette könnte für Jugendliche eine attraktive Einstiegsdroge werden, befürchtet unter anderem das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Gänzlich von der Hand zu weisen sind solche Sorgen nicht. Strenger Jugendschutz wird deshalb sogar vom E-Zigaretten-Verband in Deutschland gefordert.

Doch wie sehen die Fakten aus? Ist die E-Zigarette tatsächlich ein großer Verführer, der Einstieg ins „echte“ Rauchen, das sehr viel drastischere Auswirkungen auf die Gesundheit hat? Diese Frage ist bislang wissenschaftlich noch nicht wirklich beantwortet – auch, weil das dampfen ja erst innerhalb der letzten Jahre zu seinem Siegeszug angetreten ist. Eine gerade veröffentlichte Studie der Oklahoma State University wirft nun aber ein erstes Licht auf das Problem: Und wie es aussieht, führt das Probieren von E-Zigaretten deutlich seltener zu einem problematischen Suchtverhalten als normale Zigaretten – und sie sind auch keine Einstiegsdroge für Tabakrauch. Das wäre eine extrem wichtige Nachricht, denn in der Jugend entscheidet sich für die meisten, ob sie später überhaupt rauchen.

Nun aber zu den detaillierten Ergebnissen der US-Untersurchung mit dem Titel „Welche Nikotinprodukte sind Wegbereiter für regelmäßige Nutzung?“ aus dem renommierten „American Journal of Preventive Medicine“. Für die Studie wurden rund 1300 Studenten der Universität nach ihrem Tabakprodukt-Konsum gefragt. 57 Prozent hatten bereits Erfahrung damit. 25 Prozent gaben an, als erstes normale Zigaretten geraucht zu haben. 12 Prozent probierten zunächst Shishas (Wasserpfeifen) aus, 7,4 Prozent Kautabak und 4,5 Prozent „Emerging Tobacco Products“ (ETP) darunter E-Zigaretten. Die seltene Ersterfahrung mit E-Zigaretten erklärt sich durch den zeitlichen Ablauf der Studie. Die Befragung wurde 2013 durchgeführt und viele Studenten dürften bereits einige Jahre zuvor erstmals Tabak konsumiert haben.

20 Prozent der Studenten nutzten zum Zeitpunkt der Befragung regelmäßg Tabakprodukte. Dabei zeigte sich allerdings ein interessantes Muster: Wer mit Kautabak oder normalen Zigaretten angefangen hatte, war mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit auch jetzt noch Nutzer mehrer Tabakprodukte. 53 Prozent der Kautabak-Probierer konsumierten mindestens hin und wieder ein Tabakprodukt und 39 Prozent der Befragten, die mit Zigaretten angefangen hatten. Bei den ETP, darunter auch die E-Zigarette, waren es nur 29 Prozent. Eine Schlussfolgerung der Untersuchung: „Jugendliche, die zuerst Shishas oder ETP probierten, wurden mit höherer Wahrscheinlichkeit Gelegenheitsnutzer, während diejenigen, die konventionelle Zigaretten oder Kautabak probierten mit viel höherer Wahrscheinlichkeit häufig schädliche Tabakprodukte nutzen (normale Zigaretten oder Kautabak).

Die Autoren betonen, dass die Studie noch keine festen Schlüsse zulässt – zu jung sind die Erfahrungen mit E-Zigaretten, die sich in den USA derzeit rasend schnell ausbreiten und anfangen, konventionelle Zigaretten im großen Stil zu verdrängen. Die Aussagekraft der Studie litt demnach wie bereits erwähnt darunter, dass für wenige Studenten E-Zigaretten den ersten Kontakt mit Nikotinprodukten darstellten. Zudem mutmaßen die Autoren, dass sich die Ergebnisse durch die inzwischen viel besseren E-Zigaretten, die zuverlässiger Nikotin liefern, ändern könnten. Dennoch lautet die vorläufige Schlussfolgerung der US-Forscher, die Studie zeige, „dass ETP (darunter E-Zigaretten) nicht notwendigerweise Wegbereiter für regelmäßigen Tabakkonsum sind“.