E-Zigaretten-Studie: Aldehyde problematisch, Risiko steigt mit Wattzahl (aktualisiert)

Dampfen ist weniger riskant als Rauchen – aber auch nicht ganz ungefährlich. Und: Besonders bei hohen Wattzahlen steigt die Belastung. Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie, die die Aldehyd-Belastung von Dampfern unter die Lupe genommen hat. Allerdings ist nicht unwahrscheinlich, dass die Forscher das Testgerät überfordert haben und die Ergebnisse für die E-Zigarette damit besonders schlecht ausfallen. Zuerst jedoch ein Lob an die sieben (!) Autoren der Untersuchung von der University of Louisville aus den USA, die das Thema unter Beteiligung von Chemikern, Ingenieuren und Ärzten untersucht haben. Denn sie stellen gleich zu Beginn des Fachartikels klar: Der Rauch einer Zigarette enthält laut anderen Untersuchungen 700 bis 800 Mikrogramm Aldehyde.




Dabei handelt es sich um einen der gefährlichsten Stoffe, die im Rauch enthalten sind. 92 Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die durch Rauchen ausgelöst werden, sind auf Aldehyde zurückzuführen, der Großteil davon auf Acreloin. Acetaldehyde und Formaldehyde spielen laut den Autoren nur eine untergeordnete Rolle. Wie steht es also mit diesem Risiko für Dampfer?

Die kurze Antwort lautet: Auch laut dieser Studie besser als für Zigarettenraucher. Beispiel Acrolein: Zehn standardisierte Züge aus einer E-Zigarette ergaben bei schwachen Einweg-E-Zigaretten (Marke blu) Werte von 0,02 bis 0,24 Mikrogramm, bei Formaldehyd zwischen 0,18 und 0,62 Mikrogramm. Diese Werte liegen bei 16,6 Watt und einem handelsüblichen Liquid (Halo Menthol Ice) deutlich höher: Bei 16,21 Mikrogramm Acrolein aus zehn Zügen und 819,81 Mikrogramm Formaldehyd. Die Forscher haben damit zwar eine durchaus praxisnahe Wattzahl verwendet, viele Sub-Ohm-Dampfer gehen aber noch weit über die 16,6 Watt hinaus.

Im Vergleich schneidet die Tabak-Zigarette vor allem beim hochgefährlichen Acrolein schlecht ab: 120,4 Mikrogramm wurden nach zehn Zügen im Rauch festgestellt. Das ist die achtfache Menge, die maximal im E-Zigaretten-Dampf festgestellt wurde. Der Formaldehyd-Wert ist allerdings niedriger als beim Dampfen und liegt bei 74 Mikrogramm. In E-Zigaretten-Dampf ist also mehr Formaldehyd als in normalem Zigarettenrauch?

Eine überraschendes Ergebnis. Vor allem, weil im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, in denen zum Beispiel E-Zigaretten durch dauerziehen heißgedampft wurden, verkokelten und dann enorme Schadstoffwerte produzierten, ein offenbar vernünftiger Testzyklus gewählt wurde. So wurden zwei Züge pro Minute mit einer Dauer von jeweils vier Sekunden genommen. Das entspricht durchaus üblichem Dampfer-Verhalten. Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Autoren behaupten, keine Interessenskonflikte zu haben. Sie erklären also, weder Geld von der Tabak- noch der Dampfer-Lobby zu bekommen.

Dennoch bleiben erhebliche Zweifel. Und diese begründen sich in der Wahl des Materials. Verwendet wurde als „starke“ E-Zigarette ein EVOD2 Verdampfer von KangerTech und ein iTaste VV V3.0 Akku, der einen Coil mit 1,5 Ohm Widerstand mit bis zu fünf Volt und 16,6 Watt befeuert. Nur dieses Gerät produzierte die auffällig hohen Schadstoffwerte. Schade (und wissenschaftlich aufgrund der Brisanz auch nicht sauber), dass die Forscher nicht genau angegeben haben, um welchen Coil es es sich handelt (zum Beispiel single oder dual Coil). Unabhängig davon scheint es aber so zu sein, dass diese Coils der Belastung nicht mehr standhalten und in einen „heißgedampften“ Betriebszustand geraten. eGarage ist zwar kein Technikportal, aber unseren Recherchen nach raten Dampfer-Tabellen wie diese hier von einer Spannung von fünf Volt und damit einer Leistung von 16,6 Watt im Fall der EVOD2 ab, weil man im roten Bereich (Kokelgefahr!) ist. Auch in den einschlägigen Foren und Blogs sowie von Händlern wird durchweg davon ausgegangen, dass fünf Volt definitiv zu viel sind bei einem 1,5-Ohm-Coil. Bei KangerTech selbst gibt es keine Infos mehr zu diesem älteren Coil-Modell.

Fazit: Eine Studie, die Dampfern zwar zu denken geben sollte, bei der aber wieder einmal in Frage steht, ob die Ergebnisse dem Praxisverhalten entsprechen. Gerade die spektakulär hohen Ergebnisse bei starken Watt/Volt-Zahlen sind mit äußerster Skepsis zu betrachten. Und ohnehin gilt für Umsteiger von der Zigarette: Bei den Aldehyden handelt es sich nur um einen Teil des Schadstoffspektrums von herkömmlichen Zigaretten. Nitrosamine, Teer, Arsen, Cadmium – die Liste der Killer in der Kippe ist lang. Dampfer müssen sich lediglich damit abfinden, dass sie bei diesen Stoffen ein gewisses, niedrigeres Risiko eingehen. Und als praxistauglicher Tipp gilt wie immer: Verdampferköpfe sollten regelmäßig getauscht werden, vor allem, wenn der Geschmack sich bereits verändert. Vieles spricht dafür, dass dann auch der Giftstoff-Anteil am Dampf steigt.

Nachtrag am 20. April: Aufgrund von Hinweisen von mehreren Lesern (danke!) haben wir diesen Artikel überarbeitet. Schon vorher hatten wir darauf aufmerksam gemacht, dass der Test verzerrt sein könnte: „Möglicherweise geriet der Verdampfer an den Rand der Leistungsfähigkeit und bei anderen Geräten steigen die Aldehyd-Werte nicht so schnell an“, hieß es im ursprünglichen Artikel. Weitere Recherchen haben ergeben, dass die EVOD2, die in dem Test verwendet wurde, wohl tatsächlich mit der eingesetzten Spannung überfordert ist (siehe oben). Die entsprechenden Textstellen wurden überarbeitet.