Interview mit Tante Dampf: Die Verunsicherung ist enorm

Laura Deppe, Inhaberin von Tante Dampf

Laura Deppe (28) und Nino Haarhaus (29) haben im September 2014 mitten in Kreuzberg „Tante Dampf“ eröffnet: Einen E-Zigaretten-Laden, der mit seiner Holztheke und Kreidetafeln, auf denen das Angebot ausgeschrieben ist, ein wenig an die umliegenden Hipster-Cafés erinnert.

Nach dem abgeschlossenen Studien wollten Deppe und Haarhaus sich selbstständig machen – und kamen schnell auf die Idee, sich ihrer gemeinsamen Leidenschaft, dem Dampfen, zu widmen. Ihre Spezialität: Eigengemischte Liquids mit phantasievollen Namen. Im Interview mit eGarage.de sprechen sie über die neuesten Trends, wie sich die neuen Gesetze auf ihr Geschäft auswirken und wie es nun für Tante Dampf weitergeht. Gegen Ende des Gesprächs klopfen bereits die ersten ungeduldigen Kunden an die Tür, zehn Minuten bevor der Laden öffnet.

Frau Deppe, Herr Haarhaus, Werbung für E-Zigaretten ist seit voriger Woche fast komplett verboten. Was bedeutet das für ihren Laden?

Deppe: Wir haben vor allem im Internet aufgeräumt. Alle produktbezogenen Infos sind von unserer Facebook-Seite verschwunden. Auch bei Instagram, Google Plus und Twitter haben wir unser Angebot eingeschränkt. Und unsere Webseite müssen wir stark überarbeiten. Plakate und Kinowerbung sind ja noch bis 2020 erlaubt, aber das bringt uns als kleinem Laden wenig.




Wie schadet ihnen das Verbot? Und was heißt es für die Kunden?

Deppe: Wir haben viele technikinteressierte Kunden, die aufgrund von Ankündigungen im Netz in den Laden gekommen sind. Die erreichen wir jetzt nicht mehr so einfach. Das ist für beide Seiten ein Nachteil. Generell ist die Umsetzung der europäischen Tabakproduktrichtlinie, kurz TPD II, eine Katastrophe für das Dampfen in Deutschland. Es kann doch nicht sein, dass wir in eine Schublade gesteckt werden mit dem wahrscheinlich gefährlichsten legalen Produkt überhaupt, der Tabakzigarette. Und bei anderen Produkten, zum Beispiel dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat, gilt: Im Zweifel bleibt es erlaubt. Die E-Zigarette wird von der Politik abwegig hart reguliert. Die Verunsicherung in der Branche ist enorm und hat auch die Hersteller der Hardware erfasst.

Wie das?

Deppe: Einer der großen chinesischen Hersteller dachte zum Beispiel, dass in Europa bald nur noch 2-Milliliter-Tanks für wiederbefüllbare E-Zigaretten erlaubt sind und hat entsprechende europäische Produktvarianten auf den Markt gebracht. Dabei stimmt das gar nicht.

Sie bieten selbst designte Liquids bei sich im Laden an. In Zukunft gelten aber strenge Kontrollauflagen. Geht das überhaupt noch?

Haarhaus: Bis November dürfen wir bestehende Sorten noch produzieren und dann bis Mai abverkaufen. Danach wird es hart: Auf uns kommen hohe Kosten zu für die Zulassung, und zwar für jede Sorte und Nikotinstufe. Deshalb müssen wir uns umstellen: Wir werden die Produktion auslagern und unser Sortiment von derzeit mehr als 40 Liquids deutlich einschränken müssen. Die Zulassung wird dann immer noch teuer genug, aber wir wollen das machen. Wir sehen auch eine Chance: Das Angebot auf dem Markt wird schrumpfen. Wer durchhält, könnte davon profitieren.

Welche neuen Regeln finden Sie in Ordnung?

Deppe: Vorschriften zur Reinheit, zur Qualität, zum Jugendschutz, Warnhinweise und auch das Verbot zum Beispiel von Vitaminen, die einen Gesundheitsnutzen vorgaukeln, sind in Ordnung. Dass die größte Verpackung nun zehn Milliliter beträgt, ist zwar nicht gerade sinnvoll, aber auch nicht so schlimm. Am ärgerlichsten ist wirklich das Werbeverbot.

Welche der über 40 Liquid-Sorten laufen besonders gut bei Tante Dampf?

Deppe: Wir sind stolz auf jede unserer Sorten, da haben wir jeweils wochenlang dran gefeilt. Tante Dampf No. 5 ist unser Klassiker, das ist ein süßliches Tabakaroma mit Kakaonoten. Tabak-Liquids laufen gerade bei Neueinsteigern ins Dampfen besonders gut. Unser neuestes Liquid heißt Grüne Minna, das basiert auf grünem Tee mit Kaktusfeige.

Und welche Trends gibt es bei der Hardware, also den wiederbefüllbaren E-Zigaretten?

Haarhaus: Die sogenannten Backendampfer, die relativ stark an der E-Zigarette saugen und mit Einsteigergeräten zufrieden sind, sind nicht mehr die Hauptkundschaft. Stattdessen war Sub-Ohm in letzter Zeit das große Ding, also Geräte mit sehr hoher Leistung von teils über 50 Watt und entsprechender Dampfentwicklung. Kurz gefasst könnte auch man sagen: Der Trend geht zu Immer größer und immer heftiger.

Wie schnell ändert sich das Hardware-Angebot?

Rasend schnell. Gerade in den vergangenen Monaten sind Geräte auf den Markt gekommen, bei denen das temperaturgesteuerte Dampfen sehr gut funktioniert, nachdem wir am Anfang nicht besonders zufrieden waren mit der Funktion. Das erlaubt eine immer gleichbleibende Temperatur im Verdampferkopf, was bedeutet: Es kann nicht mehr kokeln und der Geschmack bleibt konstant. Bei den Herstellern gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Einer der Großen lag lange Zeit vorne, die jüngsten Modelle haben aber nicht mehr so überzeugen können.

Wie lief das Geschäft seit der Eröffnung vor gut eineinhalb Jahren?

Gut. Anfangs waren wir nur zu zweit und hatten nur ein sehr kleines Angebot. Inzwischen haben wir ein deutlich größeres Sortiment und acht Mitarbeiter, die meisten davon allerdings in Teilzeit.

Wollen sie mit Tante Dampf expandieren?

Eigentlich hatten wir das vor. Aber aufgrund der neuen Gesetze haben wir die Pläne erstmal hintenan gestellt. Wenn wir die teuren Zulassungen für unsere Liquid-Sorten bezahlen, wollen wir aber das Online-Geschäft ausbauen, um die Kosten besser wieder hereinholen zu können.