Gesünder leben in der „Zeit“

Kein Zucker im Kaffee, der am besten kein Koffein enthält, fettfreie Joghurts natürlich ohne Konservierungsstoffe, Schokolade ohne Milch, am besten 80 Prozent Kakao und selbstverständlich ein Fairtrade-Produkt – und Rauchen geht gar nicht.




Wer mal in USA Milch kaufen ging und dann voller Verwunderung die Tüte öffnete, deren Inhalt heller und durchscheinender war als der Londoner Nebel und keine Sekunde nach dem Kuhprodukte aussah oder schmeckte, weiß worum es geht: Das total gesunde Leben, von dem man sich ein ewiges mit gutem Gewissen verspricht.
Ein angestrengt wohlgefälliges und gesundes Leben – leider freudlos und risikoscheu. Hauptsache ökologisch und nachhaltig. Viele Vertreter dieser „lang lebe der Genuss durch Askese“-Mentalität sind leider schon fast fanatisch in ihrer Überzeugungswut. „Du sollst nicht rauchen, Du sollst nicht trinken, Du sollst keine Tiere essen, Du sollst Sport treiben.“ Eine endlose Liste von Gutmenschen-Regeln.

Die Politik schwingt sich gerne auf diesen lahmen Ackergaul und glaubt, den Menschen vorschreiben zu können und zu müssen, wie sie gesund alt werden und was gut für sie ist. Dann folgen Regeln, Richtlinien, Restriktionen und Gesetze. Das kennen wir alle und werden täglich im Alltag damit konfrontiert.

Und immer gibt es „Ersatzgötter“ wie kalorienarme Produkte, alkoholfreie Sekte und lederlose Schuhe. An denen natürlich auch eine Industrie verdient, allerdings hat die ein gutes Gewissen. Aber Geld stinkt halt nicht.

Daneben gibt es aber auch das echte, bessere Tun, der wirklich nicht nur das Gewissen beruhigt – wie eine Stunde Sport pro Woche – und einem trotzdem das Gefühl von selbstbestimmten Genuss ohne Reue lässt: Das Dampfen einer Morgen-E-Zigarette mit Milchkaffe und der Lektüre des spannenden „Zeit“-Artikels von Christian Schüle: Ein Leben in der Kulisse