Studie zu Formaldehyd in E-Zigaretten-Dampf: Altes Modell belastet stark

Die Diskussion, ob E-Zigaretten gefährliche Mengen giftiger Aldehyde enthalten, darunter auch das berüchtigte Formaldehyd, wird seit längerem geführt.

Bisher war davon auszugehen, dass die Belastungen für Dampfer eher gering sind. Eine neue US-Studie wirft nun noch einmal ein genaueres Licht auf diese Frage – und kommt zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Mengen je nach E-Zigarette extrem unterschiedlich ausfallen.




Leider lieferte ein untersuchtes und inzwischen kaum noch gebrauchtes E-Zigaretten-Modell (Verdampfer der Bauart Top Coil) Werte, die bei einer Tagesdosis die Belastung durch das Rauchen von 20 Zigaretten sogar noch übersteigen.

Wohlgemerkt: Lediglich für die untersuchten Aldehyde, also Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein. Zigaretten enthalten noch viele weitere, teils sehr schädliche Giftstoffe. Die anderen vier E-Zigaretten-Bauarten blieben zudem weit unter diesen Werten.

Zu den Details der Studie: Veröffentlicht wurde sie in der neuesten Ausgabe des anerkannten Fachmagazins Regulatory Toxicology and Pharmacology, das den Standard des sogenannten Peer-Reviews (Kontrolle durch Experten) einhält. Die Autoren kommen unter anderem von der Pennsylvania State University und einem auf derartige Untersuchungen spezialisierten Labor. Untersucht wurde der Dampf von fünf Geräten: Ein CE4-Bauart-Verdampfer von Vision, der Protank 1 von KangerTech, Gladius von Innokin, die Nautilus von Aspire sowie SubTank von Aspire, ein Sub-Ohm-Gerät. Die Details sind in der Studie auf Seite 2  verzeichnet.

Um Heißdampfen zu vermeiden, wurde alle 30 Sekunden ein Zug von vier Sekunden durch die Laborgeräte entnommen, was realistischen Dampfbedingungen entsprechen dürfe. Das Liquid enthielt Nikotin und eine übliche Mischung aus Propylenglykol, Glycerin und Aroma. Das Sub-Ohm-Gerät produzierte erwartungsgemäß mit Abstand die höchsten Dampfmengen.

Im Dampf aus dem ersten Gerät (Vision) wurden anschließend sehr hohe Aldehyd-Mengen gemessen. Die Belastung lag, abhängig von der Watt-Zahl, bei 7,3 Milligramm Formaldehyd pro Gramm Dampf, 5,8 Milligramm Acetaldehyd und 0,78 Milligramm Acrolein. Das zweite Gerät, der Protank, produzierte grob ein Viertel der Belastungswerte, während die anderen E-Zigaretten nur Bruchteile erzeugten. Am besten schnitt der Sub-Ohm Verdampfer ab. So lag zum Beispiel der Formaldehyd-Wert bei lediglich maximal 0,017 Milligramm pro Gramm, also etwa ein Vierhundertstel des ersten Geräts.

Die Autoren der Studie spekulieren, dass es wohl kein Zufall ist, dass das Gerät mit der geringsten Dampferzeugung pro Leistungseinheit auch am schlechtesten bei Aldehyd-Werten abschnitt. Denn wenn kein Aerosol erzeugt wird, entsteht wohl stattdessen übermäßige Hitze, die zur Aldehyd-Erzeugung nötig ist.

Im Unterschied zu vielen anderen Studien geben sich die Autoren Mühe, die Ergebnisse sinnvoll einzuordnen. So wird angegeben, hoch die Belastung beim Dampfen im Vergleich zum Rauchen ist. Beim schlechtesten Modell und einem Konsum von drei Gramm Dampf an einem Tag liegt diese sogar teils höher als beim Rauch einer Schachtel Zigaretten: 22 Milligramm Formaldehyd, 17 Milligramm Acetaldehyd und 2,3 Milligramm Acrolein beträgt die Dosis beim ersten Verdampfer. Zum Vergleich: Der Rauch aus 20 Zigaretten enthält 1,5 bis 2,5 Milligram Formaldehyd, 10 bis 30 Milligramm Acetaldehyd, und 1,5 bis 3 Milligramm Acrolein. Auch die gesetzlichen US-Grenzwerte für die Belastung am Arbeitsplatz wird mit dem Dampfen verglichen. Das Ergebnis: Die Formaldehyd- und Acrolein-Grenzwerte werden deutlich überschritten. Die anderen E-Zigaretten schnitten allerdings, wie bereits erwähnt, sehr viel besser ab. Nur Modell 2 überschreitet knapp die Formaldehyd-Grenzwerte.

Die Forscher schlagen vor, dass zukünftige Untersuchungen sich noch genauer mit den Abläufen im Verdampfer beschäftigen sollten. So könnte die Messung von Temperaturen beim Betrieb genaueren Aufschluss geben, ob, wie vermutet, hohe Temperaturen zur Bildung der Giftstoffe beitragen. Sowohl Formaldehyd, Acetaldehyd als auch Acrolein sind giftig, vermutlich krebserregend und belasten den Körper.

Das Fazit kann also lauten: Trotz der hohen Belastung bei einem Modell ist es technisch kein Problem, hohe Aldehyd-Werte beim Dampfen durch die Bauart zu vermeiden. Moderne Modelle tun dies, sie bleiben weit unter den Belastungen, die am Arbeitsplatz erlaubt sind und noch weiter unter den Mengen, die Raucher zu sich nehmen (die darüber hinaus noch sehr viele andere, nicht in E-Zigaretten-Dampf enthaltene Gifte wie zum Beispiel Nitrosamine einatmen, die stark krebserregend sind).

Die Studie bekräftigt also letztlich, dass Aldehyd-Belastungen kein Argument gegen die E-Zigarette an sich sind. Es lohnt sich aber, auf die Bauart zu achten. Da es leider keine systematischen Untersuchungen aller Modelle gibt, muss man sich wohl an die in der Studie anklingende Faustformel halten, dass moderne Geräte, die nicht „heißgedampft“ schmecken und eine gute Dampfentwicklung aufweisen, wohl auch die besten Belastungswerte aufweisen. Und die Hersteller sind in der Pflicht: Wollen sie einen Image-Schaden vermeiden, sollten sie Modelle, die hohe Aldehyd-Mengen erzeugen, vom Markt nehmen.