Einfallstor zum Rauchen? Streit um neue Dampf-Studie

Die alte Debatte ist wieder losgebrochen: Verführt das Dampfen Jugendliche zum Rauchen? Wird durch eine vermeintliche Alternative für Raucher, die von ihrer Sucht loskommen wollen, gar ein zusätzliches Problem geschaffen? Eine neue Studie, über die das Ärzteblatt berichtet, scheint diese These deutlich zu stützen. Über 2000 Zehntklässler aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein wurden über ihr Drogennutzungsverhalten befragt, insbesondere zu Tabak und E-Zigaretten. Die Kernaussage: Wer E-Zigaretten nutzt, hat ein um das 2,2-Fache erhöhtes Risiko, Tabakzigaretten auszuprobieren.

Viele Untersuchungen dieser Art leiden unter einem zentralen Defizit: Es kann gut sein, dass die höhere Rauchwahrscheinlichkeit gar nichts mit der E-Zigarette zu tun hat. Zum Beispiel, weil Jugendliche, die gerne Risiken eingehen, sowohl eher zu E-Zigaretten als auch Tabakzigaretten greifen. Diesen Messfehler versuchten die Forscher vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu minimieren, indem sie zahlreiche Verhaltens- und Persönlichkeitsmerkmale der Jugendlichen erfassten und das Ergebnis statistisch bereinigten. In der Zusammenfassung der Studie heißt es: „Auch nach Kontrolle von Alter, Geschlecht, Bundesland, Migrationshintergrund, Schulform, sozio-ökonomischem Status, den Persönlichkeitsmerkmalen ‚Sensation Seeking‘, Impulsivität, Ängstlichkeit, Hoffnungslosigkeit, Extraversion, soziale Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus, Offenheit sowie dem Konsum von Alkohol, Cannabis und anderen illegalen Drogen zeigte sich diese Assoziation.“

Allerdings: Auch die Autoren der Studie scheinen sich nicht ganz sicher zu sein, Ursache und Wirkung klipp und klar nachgewiesen zu haben. Sie schreiben unter anderem einschränkend: “Insbesondere der Einfluss des unmittelbaren sozialen Umfelds, wie zum Beispiel
rauchende Freunde oder rauchende Eltern, wurde nur unzureichend miteinbezogen. Es ist auch nicht gänzlich auszuschließen, dass die Nutzer/innen von E-Zigaretten zu einem späteren Zeitpunkt ohnehin mit dem Rauchen von konventionellen Zigaretten begonnen hätten.” Auch bei Datenerfassung und Interpretation der Ergebnisse räumen sie ein, dass es zu Fehlern gekommen sein könnte.

Von der wissenschaftlichen Herangehensweise ist das zu loben, auch wenn es natürlich die Ergebnisse deutlich infrage stellt. Die Dampfer-Community ist denn auch „not amused“ über die Studie. Und der Dampfhändler-Verband Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG) zweifelt das Ergebnis an und hat dazu ein Faktenpapier veröffentlicht. Darin werden unter anderem Studien aufgezählt, die zu einem gegenteiligen Ergebnis kommen. Darüber hatte auch eGarage mehrfach berichtet. Der BfTG-Vorsitzende Dustin Dahlmann sagte zu der Studie: „Die E-Zigarette existiert erst seit zirka 10 Jahren und ist so beliebt und bekannt wie nie zuvor, trotzdem fallen erfreulicherweise die Einstiegsquoten zum Tabakrauchen bei Jugendlichen. Das zeigt deutlich, dass die E-Zigarette Jugendliche nicht zum Tabakrauchen verleitet.“ Dass leider immer noch einige Jugendliche mit dem Rauchen anfingen, „kann man nicht einfach der E-Zigarette in die Schuhe schieben“.