Aktualisiert: Drogenbeauftragte erwärmt sich für E-Zigaretten

Mit Spannung wird jedes Jahr den Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung erwartet. Die mit diesem Thema Beauftragte Marlene Mortler (CSU) hat ihn heute vorgestellt – und er enthält jede Menge neue Einschätzungen über die E-Zigarette. Fast könnte man versucht sein, von einem Stimmungsumschwung zu sprechen. Im Bericht 2017 waren viele Aussagen noch vergleichsweise kurz, ungenau und zudem wurde häufig auf fehlende wissenschaftliche Erkenntnisse verwiesen. Das ist dieses Jahr anders. So heißt es zum Beispiel: „Mögliche langfristige gesundheitliche Auswirkungen des E-Zigarettenkonsums wurden bislang nicht untersucht. Es ist aber davon auszugehen, dass
E-Zigaretten aufgrund der deutlich geringeren Schadstoffmenge im Aerosol im Vergleich zu Rauchtabak weniger schädlich sind.“ Zu den gesundheitlichen Risiken werden in einer Tabelle auch detailliertere Angaben gemacht, die in ihrer Aussage sehr differenziert sind. Diese Risiken seien zwar „vorhanden“, aber sie „können weitgehend minimiert werden und hängen vom Gerät, den Inhaltsstoffen der Liquids und den Betriebsbedingungen ab. Zu den Risiken einer langfristigen Nutzung besteht Klärungsbedarf.“ Das deutet darauf hin, dass die Regulierung dieser Bedingungen in den Fokus der Drogenbeauftragten rücken.

Hilft die E-Zigarette Rauchern beim Ausstieg? Auch hierzu gibt es interessante Aussagen. „Weniger Tabak zu rauchen oder ganz damit aufzuhören sind wichtige Gründe für den Konsum von E-Zigaretten. Auch wenn noch keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von E-Zigaretten zur Tabakentwöhnung vorliegt, ist sie in der Praxis die am häufigsten eingesetzte Methode zur Unterstützung der Tabakentwöhnung.“ Seit 2014 gäben jedes Jahr etwa drei Prozent der Raucherinnen und Raucher an, einen Rauchstopp mithilfe von E-Zigaretten versucht zu haben. Und schließlich: „Der Anteil der ehemaligen Raucher, die erklären, mit dem Einsatz von E-Zigaretten mit dem Rauchen aufgehört haben, stieg von 0,2 Prozent im Jahr 2014 auf 1,8 Prozent im Jahr 2017 an.“ Hierbei beruft sich der Bericht auf das Deutsche Krebsforschungszentrum. Auch das Suchtpotenzial wird eingeordnet. Zwar wird festgestellt, dass mehr und mehr Jugendliche E-Zigaretten ausprobieren. Die Zahl der regelmäßigen Nutzer falle im Vergleich aber deutlich ab.

Bezüglich der umstrittenen Frage, ob E-Zigaretten unter Jugendlichen, die die Produkte gar nicht legal konsumieren dürfen, zum Problem wird, hält der Drogen- und Suchtbericht etwas widersprüchliche Signale bereit. Bei der Vorstellung sagte Mortler, man sähe „bei den neuen Produkten wie E-Zigaretten, Wasserpfeifen und Co. einen klaren Aufwärtstrend, sowohl bei Jugendlichen als auch bei den Erwachsenen“. Die Prävention müsse deshalb ausgebaut werden. Der Aufwärtstrend wird tatsächlich von Statistiken untermauert: Unter den 16- bis 29-Jährigen stieg die sogenannte Jemalsnutzung von E-Zigaretten von 10,9 Prozent im Jahr 2014 auf 17,6 Prozent (2017). Damit sind sie die führende Altersgruppe. Auf der anderen Seite bleiben Nichtraucher, die regelmäßig E-Zigaretten nutzen, auch zehn Jahre nach der breiteren Markteinführung der E-Zigarette die absolute Ausnahme. Nur 0,3 Prozent aller Niemalsraucher dampfen laut dem Bericht. Mortler äußert sich zwar nicht so explizit, aber das legt natürlich nahe, dass wohl keine neue Generation klar abhängiger Konsumenten wie beim Tabakrauch durch E-Zigaretten entsteht.

Auch die Tabakerhitzer – das einzig weiter verbreitete Produkt ist IQOS von Philip Morris – werden von der Drogenbeauftragten nun genauer beobachtet. Sie stellt in dem Bericht fest, das „Aerosol, das vom Konsumenten wie beim Rauchen inhaliert wird, enthält eine Reihe derselben Schadstoffe wie Tabakrauch, darunter Kohlenmonoxid und krebserzeugende Substanzen, jedoch in geringeren Mengen als der Tabakrauch der klassischen Zigarette. Es sei „davon auszugehen, dass sie ein der klassischen Zigarette im Wesentlichen entsprechendes Abhängigkeitspotenzial bergen“. Die Abschätzung der gesundheitlichen Gefährdung der auch Heat-Not-Burn genannten Produkte sei schwierig, da „noch keine geeigneten Bewertungsmodelle entwickelt wurden“. Die bisherigen Studien der Hersteller, aber auch die wenigen unabhängigen Untersuchungen, legten nahe, dass das Aerosol von Tabakerhitzern weniger Schadstoffe enthält als der Rauch von Tabakzigaretten. Es wird auf eine vorläufige Einordnung durch das Bundesinstitut für Risikobewertung verwiesen.