Deutsche Studie: Zigarettenrauch stresst Zellen deutlich mehr als Dampfen

Viele E-Zigaretten-Studien leiden darunter, dass zwar die Auswirkungen des Dampfens unter die Lupe genommen werden, aber der Abgleich mit dem normalen Rauchen fehlt. Eine neue deutsche Untersuchung (auf Englisch publiziert) liefert nun einen direkten Vergleich. Vier Forscher, darunter zwei von den Cultex Laboratories aus Hannover, veröffentlichten vor wenigen Tagen eine Studie im renommierten Fachblatt „International Journal of Environmental Research and Public Health“, die die Auswirkungen auf Lungenzellen untersucht – und kamen zu einem differenzierten, vielschichtigen Ergebnis.

In einem Experiment wurden Lungenzellen 200 maschinellen Zügen von je zwei Sekunden aus der E-Zigarette ausgesetzt (mit sieben Sekunden Abstand), teils mit, teils ohne Nikotin. Im Vergleich wurden weniger standardisierte Zigarettenzüge aus einer Normzigarette genommen, die Forscher berechneten aber im Nachhinein einen mit der E-Zigarette vergleichbaren Wert. Gleichzeitig wurde eine Kontrollgruppe an Zellen normaler Luft ausgesetzt.

Anhand von zwei Werten wurde erfasst, wie „giftig“ der Dampf beziehungsweise Rauch für die Zellen war. So wurde die „Zellviabilität“ gemessen, vereinfacht die Zahl der Zellen, die nach der Bedampfung noch lebten. Auch der „Oxidative Stress“ wurde erfasst. Bei hohen Werten steigt die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung der Zelle und von Veränderungen im Erbgut.

Die Forscher konnten durchaus negative Auswirkungen des Dampfens feststellen. Die Überlebensrate der Zellen fiel messbar, der oxidative Stress nahm zu. Im Vergleich zum Zigarettenrauch sind die Auswirkungen jedoch offenbar klein. Bei einer vergleichbaren Anzahl an Zügen, so Berechnungen der Forscher, sinkt die Zellüberlebensrate um das 4,5- bis 8-fache im Vergleich zwischen Dampfen und Rauchen, der oxidative Stress ist bei der Zigarette 4,5 bis 5 mal höher.

Die Forscher verglichen auch nikotinfreies mit stark nikotinhaltigem E-Zigaretten-Liquid. Interessant: Der Nikotinlevel hat keinen Einfluss auf die beiden Messgrößen. Offenbar sind vor allem die Trägerstoffe Propylenglycol und vor allem Glyzerin negativ für die Zellen.

Auch wenn die Studie wieder einmal andere Forschungsergebnisse bestätigt, dass Dampfen wesentlich weniger riskant als Rauchen ist: Die Forscher geben zu bedenken, dass E-Zigarettennutzer zum Teil sehr hohe Dosen aufnehmen. So entsprächen 4,5 Milliliter Liquid etwa 1200 Zügen, während ein Raucher aus 30 Zigaretten etwa 300 Züge „herausholt“. Dies könnte unter Umständen den gesundheitlichen Vorteil der E-Zigarette wieder deutlich schmälern.

Zum Interview mit einer der Forscherinnen geht es hier.