„Der Dual User ist die Hauptzielgruppe“

Jens Hermes-Cédileau von JTI

Die Tabakindustrie steigt immer stärker in den E-Zigaretten-Markt ein. Obwohl eGarage das generell eher skeptisch sieht: Zeit, mit dem Vertreter eines großen Tabakkonzerns zu sprechen, der sich speziell um die Dampfer-Produkte kümmert. Wir haben Jens Hermes-Cédileau von Japan Tobacco International Germany, kurz JTI, zum Interview getroffen.




eGarage: Herr Hermes-Cédileau, wie wird man sogenannter Reduced-Risk Products Director bei einem Tabakkonzern?

Hermes-Cédileau: Ich bin seit 21 Jahren bei JTI – und habe mich sehr gefreut, diese Aufgabe 2014 übernehmen zu können, da ich sowieso ein Faible für Innovationen habe. Denn es geht hier um Pionierarbeit.

Das glauben wir Ihnen gern. JTI steht nicht gerade im Ruf, zu den fortschrittlichen Zigarettenherstellern zu gehören. Was tun Sie konkret?

Eine Menge. 2015 haben wir mit der E-Lites als erstes Tabakunternehmen in Deutschland eine E-Zigarette auf den Markt gebracht. Und das Portfolio wurde schnell weiter ausgebaut und wächst immer weiter. Ebenfalls 2015 wurde die starke E-Zigaretten-Marke Logic übernommen. Seit Mai vergangenen Jahres ist die Logic Pro auf dem deutschen Markt, die noch deutlich leistungsstärker ist.

Eingefleischte Dampfer werden sie damit aber kaum ansprechen. Die Batterie ist mit 650 Milliamperestunden nicht gerade leistungsstark und Kapselsysteme sind generell nicht besonders beliebt.

Das sehe ich anders. Wir sind ganz nah am Konsumenten und stolz darauf, dass wir unseren Kunden genau zuhören. Die Logic Pro wird zu einem moderaten Preis verkauft und bietet überdurchschnittlich viel. Für erwachsene Raucher und Dampfer ist das eine tolle Option und ein
starkes, attraktives Angebot – weil sie einfach funktioniert, ohne viel einstellen und herumhantieren.

Der sogenannte Dual-User ist also ihre Hauptzielgruppe?

In der Tat.

Wie vertreiben Sie die Logic?




Vor allem über den Tabakwarenhandel und über unseren Online-Shop. Spezielle Dampfer-Geschäfte sind zu spezialisiert, an der Supermarktkasse hingegen gibt es nicht einmal ein Minimum an Beratung. Wir wollen Interessierten das Produkt dort näherbringen, wo eine Nachfrage kompetent beantwortet werden kann.

Welchen Erfolg erwarten Sie von dem Produkt?

Wir wollen in Deutschland unter die Top-3 der E-Zigarette.

Kommt noch mehr in diesem Bereich von JTI?

Auf jeden Fall. Wir haben vier weitere Dampferprodukte in der internationalen Pipeline. Da sind auch noch leistungsstärkere Geräte dabei. Hinzu kommen vier bis fünf Heated-Tobacco-Angebote. Wir werden am Ball bleiben und sind in einer komfortablen Situation. Wir wollen aber auch nicht alle paar Monate ein neues Produkt auf den Markt werfen.

Mit der Ploom Tech sind Sie vor einem Jahr nach Japan auch in der Schweiz an den Start gegangen. Das Gerät ist wie die Iqos von Philip Morris ein Heat-Not-Burn-Produkt. Kommen Sie damit auch nach Deutschland?

Eine Entscheidung, wann und wie wir an den Start gehen, ist noch nicht gefallen. Das hängt zuerst vom Konsumenten ab.

Viele Dampfer sind skeptisch hinsichtlich des E-Zigaretten-Engagements der Tabakindustrie. Was würden Sie eigentlich für Regeln für Tabak und E-Zigaretten setzen, wenn Sie es sich frei aussuchen könnten?

Erstens halte ich Qualitätsstandards für wichtig. ISO- und DIN-Normen, die dafür sorgen, dass die Geräte funktionieren und vor allem sicher sind. Zweitens könnte es eine verhältnismäßige Besteuerung geben. E-Zigaretten sollten anders besteuert werden, als Tabakprodukte, da es sich hier um eine einzigartige Produktkategorie handelt. Drittens sollte der Jugendschutz noch weiter verschärft werden.

Unterstützer der E-Zigarette fordern, dass für das Produkt mehr geworben werden darf als für die Tabakzigarette. Können Sie sich damit anfreunden?

Ich bin der Meinung, Werbung – konkret Plakatwerbung – sollte erhalten bleiben. Ohne Werbung können Unternehmen nicht um Konsumentengunst ringen – das Ende von Wettbewerb. Damit frieren bestehende Marktanteile ein und Innovationen nehmen ab – auch zum Nachteil des Konsumenten.

Philip Morris hält die Tabakzigarette für ein Auslaufmodell und spricht ganz bewusst davon, in Zukunft nur noch auf alternative Produkte zu setzen. Ein Vorbild für JTI?

Nein, wir vermeiden es ganz bewusst, die neuen Produkte und die traditionellen Tabakprodukte gegeneinander auszuspielen. Bei JTI sind wir der festen Überzeugung, dass nicht der Hersteller, sondern der Konsument die Entscheidung treffen sollte, was er konsumieren möchte. Und wir setzen uns mit all unserer Leidenschaft dafür ein, dass er sich für ein JTI-Produkt entscheidet.