Dampfer zwingen NDR nach einseitigem Bericht zu Stellungnahme

Der NDR hat kürzlich über die E-Zigarette berichtet.
Und ist wie viele Medien mal wieder oberflächlich und einseitig geblieben.




Klaas Franzen, der interviewte Forscher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), hat Zellkulturen mit Extrakt aus E-Zigaretten-Dampf beträufelt und eine zellschädigende Wirkung festgestellt. Wörtlich sagt er: „Mich hat überrascht, dass die E-Zigarette ohne Nikotin eine absterbende Wirkung entfaltet.“ Bisher, so der Bericht, sei man davon ausgegangen, dass E-Zigaretten ohne Nikotin „harmlos“ seien.

Was für ein Unsinn. Es gibt mittlerweile mehrere Hundert Studien über E-Zigaretten. Dutzende belegen, dass Dampfen nicht harmlos ist und das Problem weniger das Nikotin, sondern die Trägerstoffe Glycerin und Propylenglykol sind. Auch hier auf E-Zigarette haben wir vor gut einem halben Jahr ein ausführliches Interview dazu geführt. Derartige Erkenntnisse sind in zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen erschienen. Das lässt sich mit einer fünfminütigen Google-Recherche herausfinden.

Die für die NDR-Reporter dennoch scheinbar bahnbrechende, aber völlig banale „Erkenntnis“ des Wissenschaftlers vom UKSH wird dazu genutzt, einseitig Stimmung gegen die E-Zigarette zu machen. „Die E-Zigarette und ihr gefährlicher Dampf“ lautet die Überschrift. Klar, mit ihrer Schlussfolgerung, gesundes Rauchen oder Dampfen gebe es nicht, haben die NDR-Journalisten sogar recht. Und was man auch einräumen muss: Es gibt in der E-Zigaretten-Branche einige schwarze Schafe, die suggerieren, dass E-Zigaretten sogar gesund seien. Das ist natürlich nicht richtig. Auch E-Zigaretten stellen ein Gesundheitsrisiko dar, was jeder vernünftige Mensch in der Branche auch einräumen wird. Im übrigen: Dass wir zum Versuchsaufbau nichts erfahren, sei bei der Kürze des Berichts verziehen.

Soviel also zu den Punkten, wo man noch Verständnis aufbringen kann. Ein anderes Versäumnis ist dagegen elementar und nicht zu verzeihen: Die wichtigste Einordnung, der Vergleich mit der hochgiftigen, extrem gesundheitsschädlichen Tabak-Zigarette, fehlt. Schließlich gilt: Die weit überwiegende Zahl der Dampfer sind (Ex-)Raucher, für die die E-Zigarette einen enormen gesundheitlichen Fortschritt darstellt.

Immerhin: Der NDR wurde nach dem Bericht mit Kommentaren von Dampfern bombardiert, die die Fakten richtigstellen. Ein empörter Nutzer schreibt: „Wie wäre es mit dem wissenschaftlichen State of the Art anstelle von pseudowissenschaftlichem Propagandamüll? Das ist Bild-Zeitungsniveau bzw. agiert noch darunter.“ Ein anderer: „Das Problem ist doch, dass kein Redakteur seinen Job mehr ernst nimmt und wirklich recherchiert. Wenn ein Redakteur es ernst nehmen würde, dann würde man feststellen können, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt. E-Zigaretten sind nicht gesund, das hat auch nie jemand behauptet. Was sie aber sind, E-Zigaretten sind bedeutend unschädlicher als jede Tabak-Zigarette. Ich fechte jetzt nicht um eine Prozentzahl,wie viel weniger, aber um die 90% sind da realistisch.

Quasi alle Kommentare zielten in diese Richtung. Der NDR sah sich deshalb zu folgender Stellungnahme genötigt: Der Handel mit E-Zigaretten, die Nikotin enthalten, ist laut einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) in Deutschland nicht mehr erlaubt. Ob E-Zigaretten, die chemische Zusätze enthalten, gefährlich sind oder ein geeigneter Weg, Raucher vom Tabak zu entwöhnen, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Die in unserem Artikel dargestellte Studie ist eine von weltweit vielen, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Der Ansatz des Lübecker Forschers Klaas Franzen war ein neuer, der sicherlich kontrovers diskutiert werden kann. Doch das grundsätzliche Fazit der Studien dürfte gleichlautend sein: Gesundes Rauchen, egal ob mit oder ohne Nikotin, gibt es nicht.“

Den letzten Satz kann man, wie gesagt, sogar unterschreiben – wenn er denn von einer halbwegs vernünftigen Einordnung der E-Zigarette im Vergleich zum Tabakrauch begleitet wird. Eine pauschale Feststellung mit dem Inhalt: „Alles ist schädlich“, ist keine Einordnung, sondern Angstmacherei mittels des Vergleichs von Äpfeln und Birnen, ach was, Joghurtbechern. Und der Verweis auf die Entscheidung des BGH ist absurd, da erstens falsch und zweitens in der Sache völlig irrelevant. Und im übrigen: Wenn die dargestellte Studie „eine von weltweit vielen“ ist, warum wird der Sachverhalt dann nicht ausgewogener dargestellt?