Dampfer kämpfen um Geschmacksvielfalt

Die Vielfalt der Liquid-Sorten und Geschmäcker der E-Zigarette ist in Gefahr: Das zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium sieht in einem Verordnungsentwurf vor, zahlreiche Aromastoffe zu verbieten. Dazu gab es am gestrigen Mittwoch ein Expertengespräch im Ministerium – und die Branche legte deutliche Widerrede ein. Das Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG) brachte laut dessen Vorstandsvorsitzenden Dustin Dahlmann vor, „ohne wissenschaftliche Rechtfertigung ein – im Vergleich zur Tabakzigarette – weniger schädliches Produkt durch das Verbot bedeutender Stoffe zu schwächen, steht im Widerspruch zu dem Ziel, die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern“. Durch das Verbot wichtigen Inhaltsstoffen werde die Attraktivität des Produkts unnötig gemindert.

Insbesondere der Verbot von Menthol als Aromastoff sorgt die Dampfer-Branche. „Menthol dient bei fast allen Nicht-Tabakaromen zur Geschmacksaufhellung und ist erforderlich, da diese Liquids sonst einen unangenehm muffigen Beigeschmack aufweisen würden. Ein umfassendes Verbot von Mentholen in E-Liquids greift somit direkt in die Aromenvielfalt ein“, sagte Dahlmann.

Unterstützt wurde diese Sichtweise von einem Gutachten von Professor Bernhard-Michael Mayer (Karl-Franzens-Universität in Graz) , den wir vor einigen Wochen für eGarage interviewt hatten. Er bestätigte, dass Menthol ein wesentlicher Geschmacksstoff in zahlreichen Liquids sei und gar als „Glutamat des Dampfens“ bezeichnet werde. Eine kürzlich publizierte Studie über den Effekt von Aromastoffen auf das Dampfverhalten habe gezeigt, dass der effizienteste und nachhaltigste Umstieg von Rauchern auf E-Zigaretten bei Verwendung mentholhaltiger Liquids erfolge.

Ein Argument für das Verbot lautet, dass Menthol, wie bei Zigaretten, den Konsum erleichtere, weil es die Gegenreaktion, zum Beispiel Husten, unterdrückt. Doch Mayer hält diese Einschätzung für falsch: Stattdessen müsse man im Gegenteil davon ausgehen, „dass Menthol die sensorischen Wirkungen nikotinhaltiger Liquids nicht abmildert sondern verstärkt“. Die sensorische Reizung der Atemwege durch Nikotin, der sogenannte „throat hit“, trage auf der anderen Seite wesentlich zur Befriedigung von Rauchern bei und sei deshalb eine entscheidende Komponente für die Akzeptanz von E-Zigaretten. „Eine Verstärkung des Effekts ist daher wünschenswert und veranlasst Konsumenten möglicherweise zur Reduktion der Nikotinkonzentration ihrer Liquids.“ Das Argument des Ministeriums gegen Menthol wäre demnach auf den Kopf gestellt.

Zwar hält Mayer einige Aromstoff-Verbote durchaus für vernünftig. Als Fazit heißt es aber, vor allem das „unbegründete Verbot von Menthol hätte eine massive Einschränkung der verfügbaren Liquids zur Folge und würde den Umstieg von Rauchern erschweren statt ihn zu erleichtern“.

Wie das Landwirtschaftsministerium auf die Aussagen der Dampfer-Branche reagiert, ist bislang nicht bekannt, sondern wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Wir halten die Leser von eGarage.de auf dem laufenden.

 

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